Privates

Auf Wiedersehen – Bäckerei Kuhl

Heute Morgen kam etwas Wehmut auf.

Aber verwunderlich ist es nicht.

Mit dieser Bäckerei bin ich aufgewachsen. Ich kenne sie seit Kindertagen. Sie war nicht nur in unserem Stadtteil, sondern auch darüber hinaus bekannt. Sie war eine Institution.

35 Jahre lang war ich Kunde, holte jeden Sonntag unsere Brötchen dort und auch unser Hochzeitskuchen stammte von dort.

Über Jahrzehnte standen fünf Damen am Tresen und bedienten Massen von Menschen jeden Tag. Vor allem samstags und sonntags, denn es war die beste Konditorei weit und breit. Egal, ob das Stück 5 € kostete – die Menschen kauften es.

Sie standen ewig Schlange und draußen herrschte immer Verkehrschaos.

2020 ging der Kuhl in Rente und verkaufte das Geschäft an einen Bäcker, der bereits eine Filiale in Ehrenfeld hatte. Ein Jahr später verstarb leider Hans Gerd Kuhl.

Der neue Bäcker schaffte es, die Bäckerei innerhalb eines Jahres so stark herunterzufahren, dass auch ich als Stammkunde kein Interesse mehr hatte.

Zunächst wurde das Personal ausgetauscht. Das Personal, das seit Jahrzehnten die Kundschaft am Leben erhielt. Man freute sich immer, in die Bäckerei zu gehen. Jetzt standen dort Menschen, die kaum zu Gesprächen in der Lage waren und offensichtlich keine Freude an ihrem Beruf hatten. Ich fühlte mich dort nicht mehr wohl, manchmal sogar unwillkommen.

Die Bäcker und Konditoren sind gegangen worden, weshalb es die stadtbekannten Kuhl-Torten, für die die Menschen immer Schlange standen, nicht mehr gibt.

Unser Stadtbezirk ist wie ein Dorf. Es lebt von Stammkundschaft. Und die war älter und hatte Geld. Das brachten Sie gerne dahin. Auch gab es zu Kuhlzeiten immer Mittagessen für die Senioren. Aber die blieben aus, weil sie dort nicht mehr betüdelt wurden. Und so verschwand auch das Mittagsmenü dort.

An Karneval, den Tagen, an denen die Auslage voll mit Berlinern für 3,50 € pro Stück war, blieb der Laden leer. Weil es keine Berliner mehr gab. Keine Party. Nichts.

Dass sie so lange durchgehalten haben, wundert mich ernsthaft.

Schade, dass der Laden nun schließt, aber vielleicht ist es ja auch gut so. Ich bin gespannt, was dann dort einzieht. Ob dort wieder ein Gewerbe einzieht oder ob eine Wohnung daraus gemacht wird.


Heiko

Heiko

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  • Ich habe über 20 Jahre dort gearbeitet am Anfang als Hofe Mann dann die letzten 15 Jahre als Teiche Macher als der Khul in gegangen ist abe ich mit neuen Chef nicht mehr so verstanden habe bin ich gegangen und ietz bin ich in Rente aber das soweit gekommen ist wahr mir schon klar

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Heiko

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