Allein im Auto? Merkste selbst, ne?

Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich diese Buswerbung der KVB sehe.

Ja, ich merke es daran, dass mein Auto nicht zu spät kommt, nicht vollkommen überfüllt ist, es darin nicht stinkt, ich nicht vom Sitz falle, weil ein testosterongesteuerter Fahrer hinterm Lenkrad sitzt, nur meine Musik läuft, mich niemand anbettelt, mir niemand zu nah kommt und die Klimaanlage funktioniert.

Ich meine, ich fahre ohnehin fast nie mit dem Auto, und das Foto ist auch mit dem Fahrrad entstanden. Aber selbst da sitze ich lieber drauf, als in diesen Bus einzusteigen.

8 Kommentare zu „Allein im Auto? Merkste selbst, ne?“

  1. KVB scheint ja übel zu sein …

    Hier in Hamburg und umzu fährt nicht nur ein Busunternehmen, und man merkt SEHR deutlich die unterschiedlichen Unternehmenskulturen.

    Im östlichen Umland ist ein kleines Unternehmen unterwegs, das eigentlich mehr Busreisen anbietet. Aber eben auch Linienbusse. Die sehen aus wie vom Schrottplatz, fahren entsprechend (Warnlampen für Bremse an? Kein Grund, den Bus mal in die Werkstatt zu bringen!), und den Busfahrern scheint ihre selbstverladende Fracht komplett sch…egal zu sein. Witzigerweise fährt dieses Unternehmen nicht direkt für den HVV, sondern als Subunternehmer für ein anderes großes Unternehmen. Das ist mein Lieblings-Negativ-Beispiel.

    Dann gibt es einen eigenen Verbund, die Verkehrsgemeinschaft Hamburg-Holstein (VHH), die u.a. aus der Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) hervorgegangen ist, und deren Außenwirkung ziemlich nahtlos übernommen hat. Es fängt schon damit an, dass die Busse OHNE Werbung fahren, geworben wird nur für Toleranz, rücksichtsvollen Umgang miteinander, und gelegentlich für PVG bzw. VHH selbst. Die Busse sind sauber, gut gepflegt, sehen immer aus wie neu, und ich habe in all den Jahren in Hamburg noch keinen schlechten Fahrer (m/w/x) bei der PVG/VHH erlebt. Wie der Name schon andeutet, findet man die VHH-Busse überall im Hamburger Umland nördlich der Elbe, und auf einigen Linien nach Hamburg hinein.

    Dann gibt’s den Platzhirsch, die Hochbahn, die nicht nur die U-Bahnen betreibt, sondern auch jede Menge Busse. In Sachen Qualität immer noch ziemlich gut, aber die Kirsche auf dem Sahnehäubchen fehlt der Hochbahn im Vergleich mit der VHH. Die Hochbahn fährt mit Werbung auf den Bussen.

    Richtung Lübeck ist ein anderes Busunternehmen unterwegs, auch eigentlich ein Reiseunternehmen, die sind mir bislang auch eher positiv aufgefallen. Weniger als Fahrgast, mehr als Autofahrer oder außenstehender Beobachter.

    Südlich der Elbe kann ich nicht beurteilen, da treibe ich mich zu selten rum.

    Aber zusammenfassend stört mich am HVV eher die teilweise extrem dämliche Linienführung und die dadurch entstehenden Verzögerungen.

    Krasses Beispiel: 20 min mit dem Auto von Zuhause zur Werkstatt im nächsten Dorf, 12,5 km. Der Rückweg für Fußlahme mit dem HVV dauert dann 100 min, fünf mal so lang wie mit dem Auto. Mit dem Fahrrad wäre ich in 40 min zuhause.

    Und ich reite immer wieder darauf herum, von Zuhause an der Grenze zu Norderstedt zur Arbeit kurz vor Lübeck fahre ich 45 min Tür zu Tür, 40 km, an Tagen voller gestörter Leute auf den Straßen auch mal knapp 60 min. Mit dem HVV muß ich erst einmal zum Hauptbahnhof fahren und bin dann von Tür zu Tür über zwei Stunden unterwegs. Frage ich den HVV-Computer nach einer Tour ohne die Regionalbahn, kommen abenteuerliche Vorschläge heraus: Fahr am Vorabend(!) mit dem letzten Bus zu einer Haltestelle am A… der Welt, dann früh morgens weiter mit dem ersten Bus. Reisezeiten 6,5 Stunden und mehr. Für eine(!) Strecke von 40(!) km.

    Warum? Weil die Buslinien im Umland sich anscheinend immer noch an alten Tarif- und Monopol-Grenzen orientieren. So kommt man dann zu der Empfehlung, an so einer Grenz-Haltestelle den Bus zu wechseln, weil da auch der Bus-Betreiber wechselt. Und gerade in den kleinen Dörfern zwischen Hamburg und Lübeck fahren die Linienbusse sehr oft nur als Schulbusse – morgens zur Schule, Mittags zurück, nur an Werktagen, und nicht in den Ferien.

    Gäbe es einen Weg, in deutlich unter 2 h mit dem Bus zur Arbeit zu fahren, auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten, würde ich es tun. Insbesondere, wenn die VHH den Bus fährt. Den Riesen-Umweg mit der Regionalbahn über den Hauptbahnhof brauche ich echt nicht. Insbesondere nicht den Hauptbahnhof.

    Die ca. 60 €, die das D-Ticket pro Monat kostet, hab ich in weniger als zwei Wochen als Benzin verbrannt. Gerade jetzt in etwas mehr als einer Woche. Aber zusätzlich zur 40h-Woche noch 10x 2,5 h = 25 h HVV-Gurkerei brauche ich echt nicht.

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  2. Hallo Heiko.

    Ich bin selbst Busfahrer und möchte das testosterongesteuerter Fahrer so nicht stehenlassen.

    Ja, diese Kollegen gibt es, keine Frage. Aber pauschalisieren? Nicht wirklich angebracht.

    Es gehört schon etwas mehr dazu als sich hinters Steuer zu setzen und zu lenken. Es soll sogar Fahrer geben die zügig fahren, damit du pünktlich dein Ziel erreichst und deine Anschlüsse gewährleistet sind.

    Wird nicht gerne gesehen, ich weiß.

    Es wäre das selbe als würde ich sagen, dass sämtliche Menschen aus der IT übergewichtige, lichtscheue Nerds sind. Das gleiche bezogen auf Autofahrer und und und…

    Merkste selbst, oder?

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  3. Danke für deinen Kommentar. Du liegst richtig, die Kritik der Pauschalisierung ist schon angebracht. Dennoch schreibe ich über meine Erfahrung, die ich fast täglich mache. Und ja, wenn du jeden Tag mit übergewichtigen und lichtscheuen Nerds in der IT zu tun hast, dann finde ich auch, dass du dies so beschreiben darfst.

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  4. Ich denke es kommt immer ganz auf den Blickwinkel an. Jeder Beruf bzw. jeder Job verdient Respekt und Anerkennung. Das es sich um eine Erfahrung handelt, die Du, ich zitiere, „fast täglich“ machst zeigt deutlich, dass es wohl doch Ausnahmen gibt. Und in genau diesem Moment haben sich deine Pauschalisierungen erledigt.

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  5. Sehr gerne, Heiko. Zumal es sicher auch Interessant sein kann, den Beruf mal aus der anderen Perspektive zu betrachten. Lass mich dazu etwas ausholen und aus einem normalen Arbeitsalltag berichten:

    Es fängt damit an, dass zu Stoßzeiten keine Chance besteht, den Fahrplan einzuhalten, da der Verkehr sich in den letzten Jahren demografisch immer weiter entwickelt hat. Rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, die sich im Recht sehen, Wege blockieren und dadurch zu weiteren Verspätungen beitragen. Oftmals gefährliche Situationen in Verbindung mit Fahrradfahrern oder E-Roller-Fahrern (insbesondere Jugendliche, die die Verkehrsregeln nicht kennen), unbeleuchtete Fahrzeuge und vieles mehr. Hinzu kommen Fahrgäste, die ihre schlechte Laune abladen möchten, Diskussionen führen die eigentlich keiner Diskussion bedürfen, Aufregungen über Verspätungen und auch Aufregungen, wenn man mal eine Minute eher durch den Verkehr gekommen ist und sich die Endstelle herbeisehnt, um eine Toilette aufzusuchen.

    Der technische Zustand vieler Fahrzeuge mag für HU-Untersuchungen ausreichend sein, in der Realität ist es aber so, dass Fahrzeuge eingesetzt werden, die 15 Jahre und älter sind, ihre Abschreibung bereits hinter sich haben und die dann leider eben solche Mängel wie die von Dir zitierte, fehlende Klimaanlage haben. Dazu kommt nach einer Laufleistung von teilweise 1.000.000 Kilometer natürlich auch der Verschleiß, sprich eine Kupplung die nicht mehr „geräuschlos und sauber“ schaltet oder eine Bremse, die ein anderes Bremsverhalten als ein neues Fahrzeug hat. Diese Punkte führen gerne dazu, dass man als Fahrgast den Eindruck gewinnen könnte, jemand säße hinterm Steuer, der das Fahrzeug nicht vernünftig bedienen kann (Bremse, Kupplung, Beschleunigung).

    Ich kann deine Aussagen wirklich nachvollziehen, wollte aber mit meiner Aussage nur einmal aufzeigen, dass der Punkt Personal bzw. Fahrer, also das letzte Glied der Kette, oftmals am wenigsten dafür kann und eher wertgeschätzt als abgewertet werden sollte. Natürlich nicht alle, aber viele meiner Kollegen üben Ihren Beruf mit dem nötigen Maß an Verantwortungsbewusstsein aus – hierzu würde ich mich auch zählen.

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  6. Nochmal die HVV-Perspektive zum Thema Fahrleistung und Verschleiß, gerade zur Antwort von Maik.

    Aktuell haben wir im HVV den großen Luxus, dass die alten Diesel durch E-Busse ersetzt werden, allen voran bei der VHH und der Hochbahn. Ganz offensichtlich ist ein neuer E-Bus nicht nur leiser und stinkt weniger, sondern schlicht und ergreifend ist das Ding neu, da ist noch nichts verschlissen, noch nichts verrostet, noch nichts weggerottet, noch nichts weggebrochen, noch nichts tausend mal geflickt. Dazu kommen dann kleine Details. USB-Ladebuchsen an fast allen Sitzplätzen, ein PVC(?)-Fußboden, der aussieht wie ein hochwertiger Holzboden, eine Navi-Ansicht mit voraussichtlicher Ankunftszeit und Abfahrt-Zeiten anderer Busse und Bahnen für die nächste Haltestelle auf dem Info-Bildschirm, und ganz einfach für Linienbusse gut gepolsterte Sitze. Das alles fühlt sich deutlich hochwertiger an als ein durchgerittener Seelenverkäufer. Und erstaunlicherweise gehen die Fahrgäste auch recht pfleglich mit diesen Bussen um.

    Dazu kommt, dass – wenigstens bei Hochbahn und VHH – die Busse nicht gefahren werden, bis sie sich von selbst in ihre Einzelteile zerlegen. Gefühlt ist ein Linienbus nur ein paar Jahre bei der Hochbahn oder der VHH unterwegs, bevor er dann als guter Gebrauchter verkauft wird – oft an ein kleineres Unternehmen, das auch im HVV oder in der näheren Umgebung unterwegs ist. Deswegen haben die meisten Busse bei Hochbahn und VHH bereits eine Klimaanlage, egal ob Diesel- oder Elektro-Bus.

    Und ganz offensichtlich pflegen sowohl Hochbahn als auch VHH ihre Busse. Klar, man kann einen Bus rotten lassen, bis der TÜV droht, dann kommt ein Eimer Unterbodenschutz und ein Eimer Farbe über den Rost, man wischt einmal über den gröbsten Dreck, macht die allernötigsten Reparaturen, und wartet dann wieder ein Jahr bis zum nächsten TÜV. Dann sind wir bei meinem Lieblings-Negativ-Beispiel aus meinem ersten Kommentar. Oder aber man behebt Probleme, sobald sie auftreten. Man wechselt Teile aus, wenn sie an der Verschleißgrenze sind, und nicht erst, wenn sie komplett zerstört sind. Dann gibt’s auch keinen Ärger mit Antrieb oder Bremsen.

    Ich kenne über ein paar Ecken die Werkstatt eines Reisebus-Unternehmens im Weser-Ems-Raum, die ein wenig Linienverkehr und viele Reisen (eigene Planung und Charter) machen, besonders Langstrecke. Sie fahren teilweise recht alte Busse, weit über der Mio-km-Grenze. Aber: Man sieht es den Bussen nicht an! Und das liegt am Werkstattleiter und an der Unternehmensleitung. Wenn ein Bus von einer Reise zurückkehrt, fährt der als allererstes in die Werkstatt, wird einmal komplett unter die Lupe genommen und innen und außen gewaschen. Was auch immer kaputt ist, wird sofort repariert, ohne Diskussion. Intervalle für Ölwechsel, Filterwechsel und Co. werden penibel eingehalten, teilweise kürzer als vom Hersteller vorgegeben. Kein Bus fährt mit ausstehenden Reparaturen los. Das klingt vielleicht teuer, ist es aber nicht. Weil die Busse eben hervorragend gepflegt sind, gibt es unterwegs keine Pannen. Die Reisenden sind zufrieden, weil die Busse innen und außen aussehen wie neu, und auch so fahren. Und man muß nicht alle paar Jahre viel Geld für einen neuen Bus mit Vollausstattung ausgeben.

    Ja, Fernreise-Verkehr ist kein Linienverkehr. Die Linienbusse sind aber ebenfalls sehr gut gepflegt. Sie fallen einem im Straßenverkehr sofort auf. Nicht wegen dem Namen auf der Seite, sondern weil die Busse selbst bei Dreckwetter sauberer sind als alle anderen Busse und LKW. Schlicht und ergreifend, weil auch die Linienbusse öfter kontrolliert und gewaschen werden als bei anderen Betreibern.

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    • Sehr schöne und richtige Zusammenfassung.

      Zur Hochbahn/HVV:

      Linienbusse haben eine Abschreibedauer von üblicherweise 12 Jahren. Je nachdem, ob der Kilometetstand von 800.000 km oder die 12 Jahre schneller erreicht werden, erfolgt eine Ausmusterung. Häufig werden die Fahrzeuge dann von den SUB-Unternehmern gekauft und „zuende gefahren“

      Hier gibt es natürlich die, die die Fahrzeuge pflegen und gut warten – leider aber auch das komplette Gegenteil, da bei Ausschreibungen jeder Euro zählt

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