4 Jahre Therapie

In dieser Woche bin ich seit vier Jahren in Therapie. Anfangs habe ich niemandem davon erzählt, heute stehe ich stolz dazu. Denn ich habe es geschafft, meine Angststörung zu besiegen, aus meiner Depression herauszukommen und jeden Tag die Gründe meines Übergewichts zu bekämpfen und mein Leben lebenswerter zu machen. Ich bin mir wieder selbst bewusst. 😉

Es fühlt sich gut an, mein Leben mit anderen Augen zu sehen. Achtsam zu sein und mich nicht mehr über alles zu ärgern oder davor Angst zu haben.

Dieses Jahr wird für mich spannend und eine große Veränderung steht an.

Aktuell beschäftigen mich zwei Themen: Mein eigenes Hamsterrad, aus dem ich wieder verstärkt mit Achtsamkeit ausbrechen will, und die negative Energie um mich herum.

Nächstes Jahr werde ich 50. Früher habe ich meinen Stiefvater belächelt, wenn er sagte, er wolle nicht mit „alten Leuten“ abhängen, die nur über Krankheiten jammern. Heute verstehe ich ihn. In der Reha war ich mit Jüngeren unterwegs – das tat gut, weil sich ihre Themen um das Leben drehten, nicht dagegen.

Mein gleichaltriges Umfeld hingegen suhlt sich oft in einer Pfütze aus Unzufriedenheit. Ich meine nicht die Menschen mit echten Schicksalsschlägen, sondern jene, die in ihrer Negativ-Blase gefangen sind.

Ich kann ihnen nicht helfen. Selbstreflexion ist ein schmerzhafter Prozess, zu dem man selbst finden muss. Früher habe ich meine Opferrolle selbst zelebriert, bis mir durch Therapie klar wurde: Ich bin nicht das Opfer meiner Umstände, ich mache mich oft selbst dazu. Diese Erkenntnis tut weh, aber sie befreit. Heute höre ich zu, ohne die schlechte Laune an mich heranzulassen, und gebe keine ungefragten Tipps mehr.

Ich habe radikal aussortiert: kaum Nachrichten, kein Social Media. Der ständige Konsum von Katastrophen gibt mir ein trügerisches Gefühl von Kontrolle, doch in Wahrheit kontrolliere ich gar nichts. Ich übe mich in bedingungsloser Akzeptanz – gegenüber der Weltpolitik ebenso wie gegenüber meiner eigenen Geschichte. Warum wertvolle Lebenszeit mit dem Hadern über Dinge verschwenden, die ich nicht steuern kann? Ob Weltgeschehen oder Spritpreise:

Es ist, wie es ist.

Gedankenlos

Als ich die letzten Tage das recht komplexe Klemmbausteinbaumhaus aufgebaut habe, stellte ich fest, dass ich mit schöner Musik leicht gedankenversunken im Fluss war. Ein Stein nach dem anderen.

Das war vor zwei Jahren nicht so. Da saß ich am Klemmbaustein Schloss meiner Tochter und merkte, wie laut die Gedanken waren. Da war ich am Anfang meines Weges zur Therapie und der Achtsamkeit. Und wie unerträglich laut es war. Eine solche „Arbeit“, wo ich Zeit hatte für meine Gedanken, ging dann nur mit einem Podcast. Das lenkte ab.

Sowie wie ich ständig das Handy in der Hand hielt um mich damit abzulenken, weil Langeweile unerträglich war.

Das war nicht verkehrt, über diese Podcasts bin ich erst zur Achtsamkeit gekommen und sie haben mir auch während der Therapie relativ gut geholfen.

Jedoch hatte ich an den Baumhaus-Abendenden keine Lust darauf. Ich habe mir Techno aus den 90ern angehört und war Gedanken frei.

Ich kann nicht „nichts“ denken kann. Aber die Ängste sind fast weg. Dieses sich ständig über alles im Kopf laut Gedanken machen und ggfls verkatastrophisieren ist fast weg.

Dafür denke ich an schöne Dinge, mal was nostalgisch.

Heute, zwei Jahre später bin ich froh zur Therapie gegangen zu sein. Ich kann darüber mittlerweile auch offen reden, die Stigmatisierung ist mir egal geworden.

Dazu habe ich einen schönen Satz die Tage gelesen:

Du musst mich nicht gut finden, das mache ich schon

In den vergangenen Wochen hat die Therapie auch noch mal einen guten Schub gemacht. Dazu aber später mehr 😉