Als ich letztes Jahr in die Reha bin, habe ich unserer Tochter versprochen, dass ich, wenn ich da durch bin, auch wieder in eine Achterbahn passe. Das Versprechen habe ich dann diese Ostern eingelöst.
Es war ein tolles Gefühl, mit unserer Tochter das zusammen zu erleben. Zu schreien und zu lachen. Und nicht wieder aussteigen zu müssen, weil ich nicht rein passe.
Nächstes Ziel ist die Mystika im Legoland. Da passe ich bisher nicht rein. Dafür habe ich jetzt noch mal ein Jahr Zeit 😉
Diät und Sport. Das sind zwei Begriffe, die ich seit fast einem Jahr nicht mehr nutze. Ich habe meine Essgewohnheiten geändert und gehe am Tag 10.000 Schritte.
Und es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich nach der Abnehmphase nicht mehr zugenommen habe und dabei bleibe.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich die 10.000 Schritte auch nach einem 3/4 Jahr immer noch beibehalte. 😉
Heute vor 15 Jahren hatte ich einen Beitrag über das LLID-Programm der Apotheken geschrieben. Interessanterweise ist das sehr ähnlich zu dem, was ich in der Reha gelernt habe und heute lebe.
Auch wenn ich vor 15 Jahren nicht lange durchgehalten habe: Seitdem lasse ich den Zucker aus dem Kaffee weg. Das allein hat mir wahrscheinlich schon viel erspart.
Seit Jahresanfang wiege ich 112 Kilo. Ich könnte vermutlich noch etwas abnehmen, aber im Moment klappt es nicht, da ich mich in meiner Ernährung nicht so stark einschränke. Außerdem komme ich mit dem Gewicht sehr gut zurecht und halte es.
Seit dem 4. Januar 2026 habe ich bis auf zwei Tage (aufgrund der Knie-OP) konstant mindestens 10.000 Schritte am Tag geschafft! In der Regel sogar mehr. Vergangene Woche hatte ich es etwas schwieriger, da ich aus terminlichen Gründen mit dem Auto unterwegs sein musste. Also ging ich abends aufs Laufband. 😉
Ich trage den Wunsch aber immer noch in mir, ein paar Kilos herunterzugehen. Aber ich habe es nicht eilig 😉
Am Wochenende hatte ich erneut Besuch von einer sehr lieben Person, welche ich in der Reha kennengelernt habe. Sie wollte beim letzten Besuch in den Dom und auf den Dom.
Aber als wir Ende November vor dem Dom standen, standen dort gefühlt 150 Personen in einer Schlange davor.
Also haben wir es diesen Sonntag erneut gewagt. Dieses Mal gab es gar keine Schlange.
Noch gar nicht so lange her, als ich mit unserer Tochter da hoch bin. Aber ich merkte gleich, dass ich heute deutlich besser im Training bin. Ich bin da recht solide hochgekommen.
Ich bin seit einigen Jahren „Diabetiker“. Damit tue ich mich bis heute noch schwer, weil es sich nicht so anfühlt, vielleicht auch, weil ich es nicht wahrhaben will. Ich fühle mich ja gesund. Ich muss nicht spritzen. Bekomme Tabletten dafür. Und das war vielleicht auch der Grund, warum ich es nicht in den Griff bekommen habe. Weil ich keine Notwendigkeit sah.
Bei Diabetes gibt es einen Wert, der für die Untersuchung immer wichtig ist. Der HbA1c.
Der Langzeitzuckerwert (HbA1c) misst den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten zwei bis drei Monate. Er ist entscheidend für die Diagnose und Kontrolle von Diabetes, wobei Werte über 6,5 % auf eine Diabetes-Erkrankung hinweisen, während ein gesunder Wert unter 5,7 %.
Im März dieses Jahres, vor Beginn der Reha, lag mein Wert, trotz der höchsten Dosis an Diabetesmedikamenten, die man nehmen darf und ich nehmen muss, immer noch bei einem Wert von 7%.
Bei Entlassung aus der Klinik lag der Wert nur noch bei 5.9%.
Ein Monat später beim Hausarzt bei 5,7%.
Jetzt – Heute 3 Monate später, bin ich bei 5,4 % gelandet.
Auch der Nüchternwert, welcher im März bei 149+ lag, ist jetzt bei 84.
Absolut geile Werte! Damit habe ich es wirklich geschafft! Und nicht du die Werte. Mein Cholesterin ist top, meine Fettleberwerte sind im grünen Bereich und vieles mehr.
Das gibt mir gerade noch mal einen großen Schub, weiterzumachen. Dahinterzustehen, was und wie ich es tue. Es zeigt mir auch, dass das „Gehen“ mich so weit gebracht hat.
Ich musste mich gerade an einen Spruch aus der Vergangenheit erinnern:
Über Gewicht spricht man nicht, Übergewicht hat man!
Ich bin froh, dass ich das meiste davon weg habe. Und regelmäßig spüre ich immer den Unterschied. Einfach die Erkenntnis, dass es ohne viel besser ist!
Ich bin ehrlich, ich hätte nicht damit gerechnet, es so lange „durchzuhalten“. Als ich die Reha begonnen hatte, hatte ich gar keine Vorstellung davon, was danach ist. Nach der Reha fragte ich mich, wie lange ich wohl motiviert bin.
Mein Hausarzt fragte mich die Tage, was ich wann abgenommen habe. In den 7 Wochen Reha waren es 14 Kilo. 16 Kilo gingen nach der Reha runter (innerhalb von 9 Wochen).
In der Zeit mit Übergewicht habe ich mir so oft selbst gesagt, dass es doch nicht so schlimm ist. Vieles ausgeblendet. Ich denke, das ist auch normal. Sonst wäre ich vielleicht in ein tiefes Loch gefallen. Man gewöhnt sich auch an vieles.
Aber es ist einfach besser ohne.
Ich war die Tage beim Zahnarzt. Ihr kennt das vielleicht, da gibt es immer an der Seite so ein „Spuckbecken“. Bis vor einem halben Jahr konnte ich das kaum nutzen. Weil ich mich im Sitzen darüber nicht beugen konnte, weil der Bauch davor war und das Becken immer wegdrückte.
Auch beim Optiker der Sehtest. Immer wenn ich mein Kinn auf das Testgerät gelegt habe, war der Bauch im Weg.
Aber es gibt so viel anderes, was mich als dicker Mensch gehindert hat:
Jedes Mal, wenn etwas vom Boden aufgehoben werden muss – jetzt ist da mehr Platz und Flexibilität beim Bücken, ohne die Angst, nicht mehr hochzukommen.
Einkäufe, die in die Wohnung getragen werden müssen, inkl. dem Treppen rauf und runter, sind eher ein kurzes Workout statt Schwerlastlogistik.
Lange Tage mit viel Stress gehen besser. Männergrippe ohne Testamentserstellung. Keine Schmerzen mehr in den Gelenken und im Rücken. Ich fühle mich nicht mehr wie eine knarzende Antiquität.
Ich kann wieder etwas auf der anderen Seite des Tisches nehmen, ohne alles davor mit dem inneren Rettungsring abzuräumen. Mein Arm ist plötzlich länger als mein Bauch! Auch ist es wieder möglich, über dem Teller essen zu können, ohne trotzdem einen Schlapperlatz tragen zu müssen.
Ich kann wieder lange stehen und/oder lange sitzen, ohne zu klingen, als wäre ich gebrechlich.
Das Schuheanziehen funktioniert wieder ohne Sauerstoffzelt.
Plötzlich kann ich näher an der Arbeitsfläche stehen, ohne dass mein Bauch mich bremst.
Auch im Auto habe ich mehr Bewegungsfreiheit am Lenkrad und beim Einsteigen.
Bei meinen 10.000 Schritten bin ich geblieben. Ich schaffe es nicht immer. Extrem schlechtes Wetter und Zahn‑OPs sorgten da für Unterbrechungen. Aber das ist okay für mich. Ich bin mit dem Schnitt ganz zufrieden.
Seit rund fünf Wochen steht das Gewicht. Zu 90 % ist das in Ordnung für mich. Es knabbert gelegentlich an mir. Aber ich sage mir dann auch gleich wieder:
Dass das in Ordnung ist. Das davor war viel zu schnell. Die Haut muss sich zurückbilden können. Es ist Winter und Weihnachten. Du hast bis dahin nicht geglaubt, es überhaupt halten zu können, geschweige denn es weiterzumachen.
Und da bist du nun, gehst immer noch jeden Tag 35 Minuten zu Fuß zur Arbeit hin und 35 Minuten zu Fuß zurück. Egal ob −5 Grad, Sturm und leichter Regen. Du musst dich auch nicht überreden oder zwingen. Es macht dir nicht nur Spaß, sondern es ist eine Sucht, Meditation und Erholung zugleich. Du kannst gar nicht mehr ohne!
Die Ärzte in der Klinik und mein Hausarzt sagen, 500 g bis 1 Kilo pro Monat sind in Ordnung. Ich habe Zeit. Und ich habe mein eigentliches Ziel schon längst erreicht.
Meine Vitalwerte sind alle wieder im grünen Bereich. Ich habe ein gänzlich neues Leben.
Und wenn ich genau da angekommen bin, wo ich jetzt bin – ist das auch vollkommen in Ordnung.
Wenn ich mit dem, was ich jetzt gerne mache, nichts mehr erreichen kann, dann ist das so. Mehr als ich mag, werde ich nicht mehr machen.
Aber wir haben Winter und ich freue mich schon wieder auf die Zeit, in der ich Wandern gehen werde.
Am Wochenende (von Freitag bis Sonntag) hatte ich Besuch von drei wundervollen Menschen, die ich in der Reha kennengelernt hatte und mit denen ich seitdem im Kontakt blieb.
Sie kamen aus Kiel, München und dem Ruhrpott. Da wir zu Hause Gäste immer gerne da haben, habe ich sie einfach in die Kinderzimmer einquartiert.
Samstag habe ich dann mit Ihnen eine Kölntour gemacht.
Zum Dom, über die Altstadt zum Schokoladenmuseum. Von da ging es über die ersten Weihnachtsmärkte.
Alter Schwede, hatte ich einen im Kahn! Zwei Glühwein mit Schuss und ich fing an zu wanken. 😉
Es war ein richtig schönes Wochenende mit einer wundervollen Truppe. Wir hatten viel Spaß und Freude. Ich freue mich schon auf April, da wollen wir uns in Richtung Kiel treffen.
Montag ist Wiegetag bei mir. Ich bin jetzt einen Monat aus der Reha. Begonnen habe ich mit 138,6 Kilo. Verlassen habe ich sie mit 123,4 Kilo. Heute wiege ich 115,6 Kilo. Fucking 23 Kilo sind es mittlerweile gesamt.
Bei meinem Hausarzt steht die eine Türe immer so offen.
Von der Reha musste ich die immer schließen, um in den Raum zu kommen. Jetzt passe ich da so durch, bemerkenswert, wie viel Bauchumfang verloren gegangen ist.
Ich bin schon über einen Monat aus der Reha raus. Krass. Ich muss auch sagen, dass ich so schnell wieder in meinem Alltag drin war, dass ich gar nicht das Gefühl habe, 7 Wochen weg gewesen zu sein. Wenn ich zurückblicke, fühlt es sich an wie ein Traum.
Ich bin auch ehrlich darin, dass ich vor der Reha nicht gedacht hätte, dass diese so nachhaltig wirkt. Dass ich immer noch abnehme und mich so gerne bewege.
Ich habe mir mit Ende der Reha ganz bewusst keine Ziele gesetzt. Kein Wunschgewicht. Auch kein Fitnessstudio oder eine Art von Diät. Egal ob Kalorienzählen oder Sonstiges. Das habe ich in der Reha auch nicht. Und wer hier schon 20 Jahre mitliest, weiß, dass ich das alles hinter mir habe. Mit erfolgreichem Jo-Jo-Effekt.
Ich habe „nur“ zwei Dinge geändert. Meine Grundart, mich zu ernähren, und meine Grundart, mich zu bewegen.
Bewegung: Jeden Tag mindestens 10 000 Schritte. Ich habe akzeptiert, dass dies das einzige ist, was ich dauerhaft ändern kann, und wenn dies nicht hilft, dann bleibe ich, wie ich bin! Aber das führt dazu, dass ich, weil ich einen 8-Stunden-Schreibtisch-Arbeitsplatz habe, alles zu Fuß erledige. Und dies scheint wie schon in der Reha für mich aktuell genug Sport zu sein. Und auch für meinen Alltag umsetzbar.
Ernährung: Meine Ernährung habe ich so umgestellt, wie ich es in der Klinik gelernt habe.
3 × am Tag essen. Nichts dazwischen. Die drei essen mit viel Eiweiß, Ballaststoffen und wenig Zucker. Zwar wurde uns nahegelegt, nicht die 1800 kcal am Tag zu überschreiten, aber nach 7 Wochen hatte ich es drin. Gelegentlich schaue ich noch mal in der Yazio-App nach, aber im ich zähle nicht. Und das klappt erstaunlich gut.
Morgens esse ich mein Vollkornbrötchen und ein Obststück. Mittags etwas halbwegs Gesundes vom Mittagsservice oder Aldi. Abends zwei Scheiben Vollkornbrot und einen Joghurt. Alternativ auch mal einen Salat.
Damit habe ich meine Zuckerspitzen im Griff und bekomme erstaunlicherweise seit über zwei Monaten keine Heißhungerattacken mehr. Und es ist für mich einfach umsetzbar. Ich muss nichts Spezielles kochen. Nichts Spezielles kaufen. Einfach Brötchen oder Brot belegen und fertig.
In den vergangenen zwei Monaten habe ich dennoch gelegentlich was genossen. Mal ’ne Haxe, mal ein halbes Hähnchen oder eine Portion Gyros. Aber nicht mehr die Portionen von früher. Und keine 300 g Schokolade danach. Sogar auf die Pommes kann ich verzichten. Ersetze sie gerne durch Gemüse.
Bei Reis, Kartoffeln und Nudeln habe ich aus der Klinik mitgenommen: 1/3 Beilage und 2/3 Gemüse. Mit Soße schmeckt das gut und der Magen ist lange und gesund voll.
Und ich wähle mir ganz bewusst aus, was ich wann genieße. Früher habe ich es regelmäßig unbewusst in mich hereingeschlungen. Wenn ich jetzt was genieße, muss das Setting für mich stimmen, und ich muss mich darauf freuen. Richtige Atmosphäre. So war ich zwar gestern mit meiner Familie kurz beim Goldenen M, aber ich habe für mich nichts geholt. Weder hatte ich Appetit darauf, noch war meine Stimmung danach. Ich bin selbst überrascht, dass dies nach 2 Monaten immer noch anhält. Und ich mich zu nichts zwingen muss.
Ich bin mal gespannt, wann der Stillstand kommt. Dem sehe ich aber noch entspannt entgegen. Über den Winter wird es nicht mehr so schnell gehen, und das ist auch okay so. Ich fühle mich jetzt schon sehr wohl. Auch wenn ich gerne noch was vom Bauch weg hätte, so bin ich mit mir mittlerweile wieder sehr zufrieden.
Seit zwei Wochen muss ich mich wieder selbst um meine Ernährung kümmern. In der Reha bekam ich ein exakt auf mich abgestimmtes Essen. Das wieder im realen Leben umzusetzen, war eine der Aufgaben für zu Hause.
Kurz gefasst: 3 Mahlzeiten am Tag. Jeweils ~ 600 kcal. 2/4 Ballaststoffe, 1/4 Eiweiß und 1/4 Kohlenhydrate.
Klang eingangs für mich kompliziert, aber jetzt im Alltag ganz einfach umsetzbar.
Tipp war: 1x Beilage (fettarm und nicht über ~ 200 g), 1 Kelle Kartoffeln oder Nudeln, dazu 2 Kellen Gemüse. Wenn die Beilage zu fettig oder zu viele Kohlenhydrate hat, auch einfach mal die Nudeln oder Kartoffeln weglassen.
Das habe ich jeden Tag in der Klinik gemacht und mit der Zeit hat sich eine Routine eingeschlichen. Das geht sogar auswärts. Hier zwei Essen von unterwegs.
Nicht optimal, aber dennoch abgenommen. 🤣 Weil eben nicht 500 g Steak und 400 g Kartoffeln. Und das funktioniert erstaunlicherweise bis jetzt echt gut.
Vor allem ist das, für mich einfacher als Dinge zählen. Selten noch, dass ich mal schauen muss, was wie viel kcal hat.
Was ich dort auch „wieder“ gelernt habe, war das regelmäßige Essen. Dreimal am Tag. Und so mache ich mir seit zwei Wochen jeden Morgen eine „Lunchbox“ fertig.
Da ich über keine eigene verfüge, nehme ich die meiner Kinder mit. 😂 Ich halte mich auch an die Empfehlung der Klinik. Ca. 600 kcal, Vollkorn, zucker- und fettarm. Dazu fettarmen Käse, Schinken und Putenbrust. Gelegentlich auch mal dazu einen Joghurt. Bei Lidl habe ich für mich sehr leckere Vollkornbrötchen und Eiweißbrot entdeckt.
Mittags lasse ich mir warmes Essen von unserer Metzgerei liefern. Hier ist es nicht immer optimal, aber auch so um die 600–700 Kalorien. Ich schaue auch immer, dass ich einen Salat dazu esse. Vorkochen könnte ich auch, aber für mich nicht dauerhaft umsetzbar.
Am Abend esse ich (wie auch schon in der Klinik 7 Wochen lang gelernt) „nur“ Abendbrot und Salat. Auch noch mal so ~600 kcal. Da hilft mir meine Frau oft und bereitet mir leckere Salate zu.
Auch für meine Wanderschaften nehme ich vorbereitete Brote mit. Das gab man mir als Tipp. Statt Weckchen oder Riegel.
Im Kern geht es darum, dass ich mit drei gesunden Mahlzeiten meinen Zuckerspiegel moderat halte und keine Spitzen in beide Richtungen erhalte. Und das hat in den 7 Wochen zuverlässig funktioniert und bis jetzt auch.
Meine Heißhungerattacken sind weg. Auch wenn ich schon um 17.30 Uhr esse, so habe ich keine Heißhungerattacken zu späterer Zeit am PC oder TV. Gelegentlich kommt mir ein kurzer Gedanke, was zu holen, wahrscheinlich aus Gewohnheit. Aber dann ist der auch wieder weg.
Meine Vitalwerte haben sich seit der Reha um ein Vielfaches verbessert. In ein paar Wochen habe ich noch mal eine Blutabnahme bei meinem Hausarzt und ich bin gespannt, ob dies auch noch zu Hause so ist.
Seit zwei Wochen bin ich wieder zurück in der „Realität“.
Bei der Überlegung, wie ich das zu Hause umsetze, war mir gleich klar, dass „Sport“ für mich nicht in den Alltag passt. Ich habe dafür keinen Platz. Ich muss diesen in den Alltag einbauen. Also alles „gehen“, was geht. Und so setzte ich mir das Ziel, 10 000 Schritte am Tag.
Ich bin stolz, dass ich das fast immer eingehalten habe. Vor allem an den Tagen, an denen ich um 16 Uhr Feierabend gemacht habe und da gerade mal 1500 Schritte hatte. Hätte ich Homeoffice, so würde ich mir ein Walking Pad zulegen. Vielleicht schaffe ich es mir dennoch an, für die Winterzeit am Abend.
Dies bedeutete bis jetzt, dass ich dann einen ausgedehnten Abendspaziergang machen musste. Aber auch dafür ist nicht immer Zeit. Familie hier, Freunde da. Und so fing ich an, morgens nicht mit dem E-Bike zur Arbeit zu fahren, sondern zu Fuß zu gehen. Mit der Bahn 2 Stationen fahren (statt 4) und dann 20 Minuten gehen. Zurück auch mal komplett (35 Minuten).
Ich gehe aktuell alles, was erreichbar ist, zu Fuß. Durch die neu erlangte Fitness fällt mir dies auch nicht schwer. Im Gegenteil. Ich habe eine kleine Sucht im Gehen für mich entwickelt. Es tut meiner Psyche sehr gut. Einfach gehen.
Wie es die Reha als Leitspruch hat: Dem Diabetis davon laufen.
In der Klinik hatte ich ein kleines, aber feines Zimmer für 7 Wochen.
Dusche und Klo waren auch mein eigenes. Ich muss sagen, dass ich mich in dieser kleinen Zelle echt wohlgefühlt habe. Aber ich war auch nicht viel drin. Meist nur zum Duschen oder Schlafen. 😉
Das ich selbst mal so minimalistisch Glücklich bin, hätte ich nicht gedacht.
5 Wochen haben wir zu dritt verbracht, die sechste zu zweit und ich die letzte alleine.
Dank euch habe ich in den Wochen mehr Sport gemacht als in den vergangenen Jahren alleine. Dank euch habe ich den Schweinehund überwunden. Dank euch geht es mir heute gut.
Die zwei Personen haben mit mir die Reha begonnen und wir verstanden uns gleich von Anfang an.
Wir haben nicht nur viel gelacht, sondern uns auch zusammen ganz viel motiviert, fast jeden Tag tausende Schritte zu machen. Nicht schwach zu werden und Gewohnheiten zu etablieren.
Danke für diese tolle Zeit! Ich vermisse die Zeit und euch sehr!
Ich bin in den vergangenen Tagen oft gefragt worden, wie meine Kur war und wie sehr ich mich dort erholen konnte.
Dabei war ich garnicht in einer „Kur“. Ich war in einer Reha(bilitation)
Eine Kur dient der Vorsorge und der Erhaltung der Gesundheit. Sie festigt den Gesundheitszustand und hilft, beginnende Beschwerden zu beseitigen.
Die Reha dient der Wiederherstellung der Gesundheit nach oder während einer Erkrankung, welche die Betroffene oder den Betroffenen seelisch, körperlich oder geistig beeinträchtigt.
Ich könnte jetzt eine Kur oder Urlaub von/nach der Reha gebrauchen. 😂 Ich habe die 7 Wochen voll ausgenutzt, mich wieder fit zu machen.
Mittlerweile kann ich mir eingestehen, dass ich mich bis dahin sehr habe gehen lassen. Und jeder Schritt dort fiel mir anfangs schwer. Was habe ich am Anfang viel geflucht. Aber dank meiner sportlichen „Kameraden“, die ich dort kennengelernt habe, bin ich innerhalb weniger Wochen wieder fit geworden, und das hat mir sehr gut getan.
Die verlorenen 15 Kilo in der Zeit sind nicht durch die verordneten 1–2 Sporteinheiten am Tag gekommen. 😉 Ich bin fast jeden Tag aus freien Stücken (wenn es nicht wieder 36 Grad waren oder wie aus Eimern regnete) spazierwandern gegangen.
Die Klinik lag auf einem Berg. Das bedeutet, die Hälfte der Strecke/Schritte war immer Berg runter oder Berg rauf angesagt! Das hat meiner Fitness noch mal einen Schub gegeben.
Es gab oft die Versuchung, einfach bei den anderen sitzen zu bleiben. Nichts zu tun, außer quatschen und snacken. Eine Kur daraus zu machen.
Und wo wir beim Essen sind: Klar habe ich dort gesundes Essen vorgegeben bekommen. Aber es hätte mich auch keiner daran gehindert, wie manch anderer, dort weiterzuschlemmen.
Es gab genug Verführungen. Aber ich habe trotz der vielen Bewegung es dort geschafft, auch durch meine Disziplin, mich jeden Tag daran zu halten.
Kurz gefasst: Ich war fleißig und es war keine Erholungsparty.
Seit Mittwoch bin ich wieder zurück in Köln. 7 Wochen war ich nun in der Reha.
7 Wochen, die mir gefühlt wie 3 Wochen vorgekommen sind. Und ich werde sie vermissen. Das Training, das Essen, die Menschen, der Ort, die Wanderungen, die Sonnenuntergänge und vieles mehr.
Ich habe wenig gebloggt, weil ich immer unterwegs war. Ab nächster Woche hat der komplette Alltag mich wieder. Bis dahin werde ich mal versuchen, meine private Bildergalerie durchzuarbeiten und vereinzelte Blogbeiträge daraus zu machen, die ich geplant über die nächsten Tage automatisch posten.
Ich habe schon viel gelernt in dieser Zeit. Über Medikamente, Sport, das Abnehmen und alles, was dazu gehört. Über die Zusammenhänge mit psychischen Erkrankungen und vielem mehr. Vieles über die Diabetes und die vielen Erkrankungen.
Was für mich aber prägender war und ist, sind die vielen und tollen Gespräche mit den anderen Patienten hier. Durch deren persönliche Erlebnisse mit den vielen Krankheitsbildern durch das Übergewicht und Diabetes. Wohin das führen kann und warum ich mittlerweile dankbar bin, dass ich noch die Chance habe, das Ruder umzudrehen. Vor allem bin ich meinem Körper dankbar, dass er schon so vieles so lange mitgemacht hat.
Mir geht es hier ausgezeichnet und die nächsten 3 Wochen werde ich weiterhin voll ausnutzen.
10 Kilo sind mittlerweile runter. Fucking 10 Kilo. Ja, das liegt auch an dem hier angepassten Essen. Auch an den Sporteinheiten. Aber ich gehe hier aus eigener Motivation 3–5 Mal die Woche 7,3 Kilometer wandern. Statt in der Lobby zu sitzen und Kaffee zu trinken. Und ich liebe es. Ohne Stress, in meinem Tempo. Jeden Tag bin ich ein Stück süchtiger nach „Wandern“ gehen.
Auch auf meine Schritte bin ich sehr stolz, die ich hier vollbracht habe.
Meine Vitalwerte haben sich in dem einen Monat schon verbessert. Passend hat sich heute Morgen meine Apple Watch gemeldet, dass neue Auswertungen vorliegen.
Wie ich hier in einem Vortrag gelernt habe, habe ich nicht trotz Sport, sondern aufgrund von Sport einen besseren Ruhepuls. Weil mein Herz jetzt wieder besser pumpt, muss es nicht mehr „mehr“ schlagen.
Meine Cardiofitness ist auch deutlich gestiegen, was dringend notwendig war, weil sie tief unter dem Normalbereich liegt.
Allein was ich hier freiwillig an Treppen mittlerweile laufe.
Die Frage, welche immer wieder aufkommt, ist: Wie geht es zuhause weiter?
So langsam fange ich an, dafür einen Plan zu erstellen. Das erste Thema wird Bewegung sein. Viel mehr Bewegung. Aber im Alltag. Ich werde kein Fitnessstudio besuchen. Das hat in den vergangenen Jahren schon nicht geklappt. Die Sportaktivitäten hier sind gut, aber für mich zu Hause nicht umsetzbar. Aber ich werde viel mehr zu Fuß erledigen. Mehr Fahrrad fahren. Nach Feierabend auch einfach mal spazierengehen. Ich stelle auch fest, wie gut das meiner Psyche tut.
Ziel 1: Jeden Tag 10 000 Schritte. Ohne Wenn und Aber! Und wenn ich abends noch mal eine Runde spazieren gehen werde!
Was das Essverhalten angeht, hat bei mir ein Umdenken stattgefunden. Ich bin mir hier meiner Krankheit Diabetes sehr bewusst geworden. Bei den Vorträgen und Menschen, die ich hier kennengelernt habe, merkte ich richtig, wie ich das Thema immer heruntergespielt habe. Dass dringend Handlungsbedarf bestand, hat mein Arzt immer wieder gesagt. Aber ich habe es ignoriert.
Ich fühle jetzt auch, wo der Hund meiner Esssucht begraben liegt. Hier ist es noch einfach, dies täglich zu meistern. Hier werde ich perfekt gesund bekocht. Zu Hause jedoch muss für mich ein Umdenken stattfinden. Auch unsere Kinder müssen dadurch 😂 Aber hier habe ich verstanden, wo meine Esssucht herkommt. Und das werde ich zu Hause weiterführen. Dieses Wissen dafür wird mir auch in den nächsten Wochen noch vermittelt.
Die Alternative ist, ich mache weiter so wie vorher und werde noch kranker. Bis es nicht mehr lebenswert ist. Das möchte ich um jeden Preis vermeiden.