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Blind Dinner – Blindenrestaurant

Vor ein paar Wochen haben wir es endlich in ein Blindenrestaurant geschafft.
Auf der einen Seite finde ich es sehr gut – auf der anderen Seite würde ich von einem 2ten Besuch absehen.

Ich musste feststellen, dass ich noch nie in einem wirklich Dunklen raum war.
So dunkel das man Nichtmal die Hand vor Augen sieht. Egal wie nah man sie ran holt. Egal wie lange man drin ist.

Nix nix und nochmal nix.

Im Nachhinein muss ich ehrlich sagen, dass ich für die 130 Euro – welche uns der Abend gekostet hat – mehr erwartet habe.

Im Internet habe ich viele Bewertung gefunden die bemängelten, dass es nur noch 2 Kellner gibt.
Das ist mir auch stark aufgefallen. Die 2 Kellner, welche da waren, sind restlos überfordert gewesen.
Sie waren sehr freundlich, aber dennoch nur selten zur Stelle.

Wir wurden über eine schleuße in den „Dark-Room“ reingeführt. Wir wurden darüber aufgeklärt – uns unter keinen Umständen alleine durch den Raum zu bewegen, da wir uns auf jeden Fall verletzen würden. Am Tisch angekommen, wurde erst die Dame zum Stuhl gebracht und dann ich.
Ich bin nicht anspruchsvoll, aber ich saß auf einem ungepolsterten Holzstuhl. Mir tat später echt der Hintern weh.
Der leere Stuhl neben mir, sowie der meiner Freundin war anscheinend gepolstert. Ich sahs in einer Ecke. Hinter mir wand und rechts von mir. Dadurch konnte nicht wirklich im Dunkeln die Stühle tauschen.
Ich tastete als Erstes den Tisch ab.

Wir hatten vor uns eine Metalschale. Diese diente anscheinend dem Kellner zur Orientierung.
Dadrauf wurden dann Teller und Besteck plaziert.

Ich bestellte ein Wasser und meine angetraute einen Wein.
Damit gerechnet hatte ich, dass ich eine Flasche und ein Glas bekomme. Pustekuchen.
Ich bekam eine kleine Flasche, die sich wie die 0,2er Fläschen von Gerolsteiner anfühlte.

Aus dem durfte ich trinken – ohne Glas! Er stellte es auch nicht auf den Tisch, sondern drückte mir die Flasche auf die Brust, so dass ich danach greifen konnte.

Der Kellner transportierte das Essen und Trinken nicht wie ein sehender Kellner, sondern schob einen Geschirrwagen vor sich her auf dem alles drauf war.

Der Wein meiner Frau wurde fertig im Glas serviert. Dieses war allerdings sehr klein.
Wer Wein trinkt, weis, was ein Glas im Restaurant kostet, da ist es einfach ärgerlich, wenn es so klein ist.
Das Essen wurde in 4 Gängen serviert.
Meine Freundin und ich emfpanden das Essen als mittelmässiges Kantinenessen.
Man konnte es Essen, aber für das Geld hätte ich mir etwas mehr Qualität gewünscht.
Ich konnte es ja nicht sehen, aber meinem Geschmack nach war es keine Delikatesse.

Sowie so habe ich mir das „Essen“ anders vorgestellt.

Es waren überwiegend Fingerfoods. Bis auf die Suppe und ein paar Beilagen (Gemüse) konnte ich alles mit den Fingern essen.

Für mich hätte die Suppe in einem Tiefen Teller serviert werden müssen und nicht in einer Schüssel. Dann kommt man auch nicht auf die Idee, die in die Hand zu nehmen und so zu trinken 😉

Sowie so wurde mir dort bewusst, wie oft ich anscheinend im Alltag „Blind“ esse und trinke.
Wenn ich auf der Arbeit bin, da schaue ich auf den Monitor und klicke mit der Maus rum.
Dann greife ich blind zur Kaffetasse und setze an zum Trinken. Ich schaue nicht einmal weg vom Monitor. Und genau so habe ich mich beim Essen gefühlt. Es lag alles griffbereit und in Handprotionen vorbereitet. Meiner Frau fiel es etwas schwerer.

Dadurch, das ich in dieser Ecke sahs, hatte ich auch nicht das Problem – dass mir irgendwas runterfällt.
Die 4 Gänge kammen für meinen Geschmack zeitlich etwas zuweit auseinander.
Teilweise empfanden wir das Essen schon als kalt. Das Lag auch daran, dass die beiden Kellner soviel zu tun hatten, dass sie mit dem Essen ausliefern nicht nachkamen.

Den Personalmangel merkte man auch, als wir gehen wollten. Wir haben gefühlte 15 Minuten da gesessen, bis endlich wieder ein Kellner im Raum war.

Am nächsten Morgen hatte ich mir eine nette Magenverstimmung und Fieber eingefangen.
Ich vermute mal durch die Art und weise, wie die Klimaanlage betrieben wurde.
Es war ein warmer Tag und im Restaurante dadurch sehr warm.
Kaum war die Klimaanlage an und es wurde was kühler, rief die Dame neben mir dem Kellner zu das Er doch bitte den „Är Kondischener“ (air-conditioning) auszuschalten soll.

Das ergab dann im 30 Minutenrhythmus – warm, kalt, warm, kalt, warm, kalt, ……
Ich hätte eigentlich dafür mit meinem Gemüse nach ihr schmeissen müssen.
Hätte ja nicht gesehen, woher das kommt 😀

Fazit:
Es war eine nette Erfahrung, aber dennoch würde ich kein zweites mal mehr dort hin. Zumindest nicht zu diesem. Das Essen war für mich zu einfach gestrickt und nur lauwarm bis kalt.
Die Herrausforderung im Dunkeln zu essen war nur gering, weil vieles darauf abgestimmt war.
Zu wenig personal und schlechte Bestuhlung haben mir den Rest gegeben.
Wie schon Anfang erwähnt, für 130 Euro (2 Personen mit 2x Essen und 4 Getränken) hätte ich mehr erwartet!

Auch wenn meine Frau mich dafür hassen wir, ich muss trotzdem versprechen erzählen!

Während des Essens flüsterte sie leise und ernsthaft zu mir:

Schatz, kannst du nicht ein Foto machen? Aber ohne Blitz!

schwatz

Das hat den Abend gerettet …… 😉

Ach, ich weißen Hemd war ich nicht da, weil es zu warm war.
War aber ja nicht notwendig, konnte ja nichts daneben gehen ……