Da musste die Zahnfee etwas früher kommen.

Um kurz vor Mittag klingelte es an meinem Handy. Ich scherzte:

Na, unser Sohn schon unterwegs?

Meine Frau auf der anderen Seite versuchte mir aufgewühlt zu erklären, das irgendwas mit unserer Tochter ist. Hingefallen, Zähne und Krankenhaus. Ob ich sofort nach Hause kommen kann.

Ich machte mich gleich auf dem Weg. Zum Glück wohne ich nur 10 Minuten weit weg.

Zuhause angekommen erzählte mir meine Frau, das unsere Tochter die Flurtreppe heruntergefallen ist.
Dabei ist sie mit den Zähnen zu erst auf die Treppenkante geschlagen. Ihr sei ein Zahn ausgefallen.

Meine Tochter schluchzte, weinte aber nicht mehr und freute mich zu sehen.
Auf dem Weg dahin war auch alles gut. Ich machte mir keine Sorgen, auch wenn es blöd war das nun ein Zahn fehlt.

Die Kinderklinik meinte am Telefon, das wir zuerst zur Kinderärztin sollten.
Da fuhren wir gleich hin und kamen auch direkt an.

Die Ärztin schaute kurz:

Oh Gott! Der Zahn ist mit dem vorderen Zahnfleisch herausgerissen. Damit müssen Sie sofort in die Kinderklinik.

Ich war überrascht, meine Tochter machte nicht den Eindruck als hätte sie schmerzen. Als wäre sowas schlimmes passiert. So langsam wurde auch ich unruhig und fuhr gleich zur Kinderklinik.

Dort angekommen teilte man uns gleich mit, dass wir nicht richtig sind. Wir müssen zur Zahnklinik.
Die Junge Dame war so genervt und ruppig, ich war auch froh hier nicht länger bleiben zu müssen.

Auch wenn ich mit einer Zahnklinik nichts Gutes verbinde und auch kein gutes gefühlt hatte jetzt zu sowas hin zu fahren. Egal, da mussten wir jetzt hin.

Endlich in der Uni Klinik Köln angekommen ging es zur Zahnklinik.

Dort angekommen waren wir auch direkt dran.
Ich wurde mal wieder eines besseren belehrt.

Wow, sehr einfühlsam und sehr hilfsbereit. Alle waren sehr freundlich und haben sich rührend um uns gekümmert. Haben meine Tochter bespasst und meine Frau beruhigt.

Mit dem Zahnarzt zusammen sahen wir dann das Ausmaß. Es leider überhaupt nicht gut aus.

Der vordere Schneidezahn oben rechts war samt Wurzel und Zahnfleisch regelrecht raus gerissen.
Beim Aufschlag auf die Treppe muss dieser das Zahnfleisch regelrecht zerfetzt haben.

Leider hat der Schneidezahn links oben dies auch nicht überstanden. Er war komplett lose, so dass er gezogen werden musste.

Unsere kleine Tochter ist echt tapfer. Aber das war wirklich hart. Betäubungsspritze und dann Zahn raus.
Ich saß auf dem Stuhl und habe sie in meinem Arm gehalten. Die Zahnarzthelferin hielt den Kopf und der Zahnarzt zog den Zahn.

Etwas – wofür ich früher keine Gefühle hatte – mir taten nur kleine Welpen leid – musste ich in dem Moment zurück halten.

Sie tat mir so leid, sie weinen auf mir liegen zu haben – zu sehen wie viel Angst sie hatte – zerriss mir innerlich das Herz. Sie zitterte, weinte und hatte nun Angst. Anfangs ging es, bis er die erste Spritze setzte, ab da hatte sie vor allen weisen Kitteln Angst.

Etwas was ich so schnell auch nicht mehr brauche. Die Betäubungsspritze, das Zahn ziehen und das ganze  drum herum. Alles ging schnell und so behutsam wie nur möglich, aber es ist auch nicht schön.

Sie tat mir so leid. Pures Gefühlschaos. Ich blieb aber gefasst, auch um meiner Frau halt zu geben.

Aber jetzt wo ich am PC sitze, merke ich wie fertig mich der Tag gemacht hat.

Unsere kleine hingegen scheint es am besten weg gesteckt zu haben.
Sie hat dann nach der OP erst mal in der Kantine der Uni Klinik ihren Mittagsschlaf gehalten, währen Ihre Eltern versuchten das ganze zu verdauen und runter zu kommen.

Oder anders gesagt, sie schlief als wäre nie was gewesen und wir saßen immer noch Zittern daneben 😉

Sie wurde dann irgendwann wach also ging es zur Chirurgischen Notfall Ambulanz.
Der Schlaf tat ihr gut und alles war vergessen, sie bekam Hunger als wäre nie was gewesen.
Immer ein gutes Zeichen 😉

Da wir nicht wussten wie lange wir noch warten müssen und ich keine Lust hatte ihr was süßes aus dem Automaten zu holen, organisierte ich ihr schnell was Essbares aus der Kantine.

Sie hatte großen Hunger, weil auch sie seit dem Vormittag nichts mehr gegessen hatte.
Auf ihren Mund zeigte sie immer wieder mal und merkte dass da  vorne was fehlt.
Aber unbeeindruckt dessen genoss sie den Reis mit irgendeiner Soße, währen Mama und Papa immer noch geschockt waren 😉

In der Ambulanz konnte man nichts feststellen, keinen Bruch und auch keine Gehirnerschütterung.
48 Stunden müssen wir jetzt intensiver darauf achten, dann ist das schlimmste überstanden.

Der Zahnarzt meinte auch, das dies „nur“ die Zähne sind. Er sieht hier in der Zahnambulanz täglich so schlimme Unfälle mit Kindern. Es ist hart  und schlimm, aber unsere Tochter hatte viel Glück im Unglück.

Ich machte dann gleich einen Termin – auf anraten der Klinik – bei einem Kinderzahnarzt.
Dieser muss sich das mal anschauen. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit einen Platzhalter anzufertigen.
Damit der Kiefer sich nicht verformt, sie besser sprechen und auch evtl. damit Essen kann.
Aber das sehen wir dann, wenn es soweit ist.

Nun muss die Zahnfee heute tief in die Tasche greifen, die ersten zwei Zähne sind raus ……

Während ich diese Zeilen schreibe schläft unsere Tochter tief und fest. Sie hatte auch den ganzen Abend keine Schmerzen mehr. Obwohl sie keinerlei Medikamente bekam. Auch der Rest des Abends ist verlaufen als wäre nie was gewesen.

Mein Tapferes kleinem Mädchen, bin echt stolz auf sie.

 

9 Kommentare
  1. ich
    ich says:

    Ein paar Anmerkungen dazu. Deine Tochter hat in ihrem Alter ein ganz anderes Schmerzeempfinden. Du hast dort mehr Schmwrzen beim Hinsehen als sie.

    Nun zu den ungemütlichen Dingen. So wie das aussieht wird Sie wohl eine Beschädigung der 2. Zähne bekommen. Das kann von kosmetischem Fehler (Färbung des Zahns) bis zu einem deformierten Zahn alles sein. Auf jeden Fall der Unfallversicherung melden (hoffe du hast eine).

    Außerdem mit ihr aller 6 Monate zum Zahnarzt gehen. Wurde sie geröntgt? Wenn nein muss beobachtet werden ob die Kiefer sich verbogen haben. Also auch unending eurem behandelden Arzt den Arztbrief mitgeben. Das ist wirklich wichtig!

    Euch allen gute Bessering

    Antworten
  2. MaxFin
    MaxFin says:

    Kinder sind viel stärker als man denkt und stecken sowas in der Regel viel besser weg als die Eltern!

    Mein Kleiner ist ja leider chronisch krank und er muss jeden Monat mindestens einmal, seit er zwei Jahre alt ist, eine ganze Reihe an Untersuchungen, die auch teilweise sehr schmerzhaft für ihn sind, über sich ergehen lassen.
    Für mich manchmal noch schwer zu ertragen, ist er immer so tapfer 🙂

    Ansonsten kann ich mich dem ersten Kommentar nur anschließen. Auf jeden Fall direkt mit den Unterlagen zu einem Zahnarzt, der sich gut mit Kindern auskennt. Da wird bestimmt ein Platzhalter nötig sein.

    Mein Neffe ist einmal bei Glatteis auf die Idee gekommen, eine Rutsche rückwärts hoch zu laufen. Er hat sich die beiden oberen Schneidezähne sowas von in den Kiefer gerammt, dass er operiert werden musste und nun zwei Implantate hat.

    Wenn man es nicht weiß, merkt man es nicht mehr.

    Für die tapfere Prinzessin wünsche ich natürlich alles Gute!

    Antworten
  3. Lissa
    Lissa says:

    Es gibt Zahnrettungsboxen zu kaufen, in denen man abgebrochene oder ausgeschlagen Zähne in einer Nährlösung transportieren kann. Finde ich eine sehr sinnvolle Anschaffung für Familien mit Kindern. 🙂

    Antworten
        • ich
          ich says:

          Nein, die Haltbarkeit der Nährlösung ist aber auf ca. 18 Monate begrenzt, wenn er das Zeug heute kauft, kann er es so wie es ist beim ersten bleibenden Zahn direkt wegwerden *Applause*

          Antworten
          • Lissa
            Lissa says:

            Und wo genau schrieb ich, dass eine Rettungsbox sofort anzuschaffen ist? Heiko ist schlau, der kann googeln und außerdem selbstständig denken.

          • ich
            ich says:

            Dann schreib es eben dazu, zum Thema Zahnfee: Mach dir keine Illusionen – deiner Tochter ist das massiv egal ob dort der Heinzelmännchen oder wer auch immer kommt.
            Einfach nur sinnlos in dem Alter – Spar das Geld auf ihr Konto – hat sie in 20 Jahren mehr davon.

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