29 Oktober 2018

Fahrradunfall

Samstagabend bin ich mit dem Rad nach Hause.
Ich hielt kurz bei Rewe, kaufte noch was zu Essen und fuhr weiter.
Es war kalt und ich überlegte kurz anzuhalten und mir meine Handschuhe raus zu holen, für die letzten paar Minuten.

Noch während ich den Gedanken zu Ende dachte, passierte es schon.

Wir haben bei uns im Stadtteil in Bodeneingelassene Strassenbahnschienen.

An die habe ich nicht mehr gedacht. Mit dem Roller und Auto ist dies kein Thema.

Und während ich überlegte, realisierte ich plötzlich das was nicht stimmt.
Scheiße Bahnsch…. Baam – da schlug ich mit dem Kopf schon auf den Boden.

Es ist komisch zu beschreiben, aber ich habe nicht mehr „bewusst“ gehandelt.
Ich erinnere mich nur an den Moment, wo ich realisiere, dass da was nicht stimmt,
dann der Sturz auf den Kopf und dann wie ich zum Bordstein krabbel – weil ich Angst habe, dass ein Auto oder die Bahn kommt und mich im Dunkeln nicht auf dem Boden sieht.

Während dessen japste ich nach Luft.

Erst jetzt merke ich, dass ich kaum Luft bekomme und versuche zu atmen.
Es wurde langsam von Atemzug zu Atemzug besser.

Dann stand ich auf und holte mein Rad von der Straße.
Zum Glück trug ich meinen Helm, sonst hätte ich wahrscheinlich mehr als nur die Kopfschmerzen während ich diese Zeilen schreibe.

Ich rappelte mich weiter auf, schaute und sah das mein Rad soweit in Ordnung war, nur das vordere Fahrradlicht hatte es nicht überlebt.

Und meine Jacke.

Alle Knochen konnte ich noch bewegen und wirklich weh tat mir nichts.

Ich fuhr weiter nach Hause, legte mich auf die Couch und schaute Serie.

Von Stunde zu Stunde bekam ich einen Druck auf der linken Brust zu spüren.

Und mein Ellenbogen fing mir an weh zu tun.

Ich legte mich schlafen. Die Nacht war sehr kurz, die Brust tat mir immer mehr weg.
Drehen im Bett, bücken im Stehen und gar aus dem Bett aussteigen war mit Schmerzen verbunden.

Also zog ich mich an und fuhr mit der Straßenbahn zum Krankenhaus.

Respekt liebe Kölner Verkehrsbetriebe.
Selbst sonntags morgens fallen Bahnen aus und kommen zu spät.

Beim Notarzt war ich dann rund 2,5 Stunden.

Es wurde geröntgt, erhielt einen Ultraschall und eine Urinprobe wurde genommen.
Alles gut. Nichts richtig gebrochen.

Nur stark geprellt und an einer Stelle leicht eingerissen.

Das könnte auch schon was älter sein.

Ich soll mich viel bewegen, frische Luft, nicht rauchen sowie Tief „Ein und Ausatmen“.
Sonst droht mir eine Lungenentzündung.
Ich hatte echt einen Schutzengel.

Der stoß auf die Brust kam wohl daher, das sich mein Lenker sofort in den Schienen verkeilt hat.
Dadurch bin ich von rund 26 km/h auf 0 km/h in 0 Sekunden. Meine Handyhalterung war komplett verbogen.
Ich vermute mal das ich, durch das abrupte abbremsen, gegen den Lenker geknallt bin und dann auf den Boden. Meine Fettschicht hat meine Rippen vor schlimmeren bewahrt.

Heute, am Monat geht es mir schon besser, wenn auch noch alles drückt und zieht.

Aber die Ärztin meinte auch, ich habe da noch die nächsten zwei bis drei Wochen was von.

 

11 Januar 2018

Da musste die Zahnfee etwas früher kommen.

Um kurz vor Mittag klingelte es an meinem Handy. Ich scherzte:

Na, unser Sohn schon unterwegs?

Meine Frau auf der anderen Seite versuchte mir aufgewühlt zu erklären, das irgendwas mit unserer Tochter ist. Hingefallen, Zähne und Krankenhaus. Ob ich sofort nach Hause kommen kann.

Ich machte mich gleich auf dem Weg. Zum Glück wohne ich nur 10 Minuten weit weg.

Zuhause angekommen erzählte mir meine Frau, das unsere Tochter die Flurtreppe heruntergefallen ist.
Dabei ist sie mit den Zähnen zu erst auf die Treppenkante geschlagen. Ihr sei ein Zahn ausgefallen.

Meine Tochter schluchzte, weinte aber nicht mehr und freute mich zu sehen.
Auf dem Weg dahin war auch alles gut. Ich machte mir keine Sorgen, auch wenn es blöd war das nun ein Zahn fehlt.

Die Kinderklinik meinte am Telefon, das wir zuerst zur Kinderärztin sollten.
Da fuhren wir gleich hin und kamen auch direkt an.

Die Ärztin schaute kurz:

Oh Gott! Der Zahn ist mit dem vorderen Zahnfleisch herausgerissen. Damit müssen Sie sofort in die Kinderklinik.

Ich war überrascht, meine Tochter machte nicht den Eindruck als hätte sie schmerzen. Als wäre sowas schlimmes passiert. So langsam wurde auch ich unruhig und fuhr gleich zur Kinderklinik.

Dort angekommen teilte man uns gleich mit, dass wir nicht richtig sind. Wir müssen zur Zahnklinik.
Die Junge Dame war so genervt und ruppig, ich war auch froh hier nicht länger bleiben zu müssen.

Auch wenn ich mit einer Zahnklinik nichts Gutes verbinde und auch kein gutes gefühlt hatte jetzt zu sowas hin zu fahren. Egal, da mussten wir jetzt hin.

Endlich in der Uni Klinik Köln angekommen ging es zur Zahnklinik.

Dort angekommen waren wir auch direkt dran.
Ich wurde mal wieder eines besseren belehrt.

Wow, sehr einfühlsam und sehr hilfsbereit. Alle waren sehr freundlich und haben sich rührend um uns gekümmert. Haben meine Tochter bespasst und meine Frau beruhigt.

Mit dem Zahnarzt zusammen sahen wir dann das Ausmaß. Es leider überhaupt nicht gut aus.

Der vordere Schneidezahn oben rechts war samt Wurzel und Zahnfleisch regelrecht raus gerissen.
Beim Aufschlag auf die Treppe muss dieser das Zahnfleisch regelrecht zerfetzt haben.

Leider hat der Schneidezahn links oben dies auch nicht überstanden. Er war komplett lose, so dass er gezogen werden musste.

Unsere kleine Tochter ist echt tapfer. Aber das war wirklich hart. Betäubungsspritze und dann Zahn raus.
Ich saß auf dem Stuhl und habe sie in meinem Arm gehalten. Die Zahnarzthelferin hielt den Kopf und der Zahnarzt zog den Zahn.

Etwas – wofür ich früher keine Gefühle hatte – mir taten nur kleine Welpen leid – musste ich in dem Moment zurück halten.

Sie tat mir so leid, sie weinen auf mir liegen zu haben – zu sehen wie viel Angst sie hatte – zerriss mir innerlich das Herz. Sie zitterte, weinte und hatte nun Angst. Anfangs ging es, bis er die erste Spritze setzte, ab da hatte sie vor allen weisen Kitteln Angst.

Etwas was ich so schnell auch nicht mehr brauche. Die Betäubungsspritze, das Zahn ziehen und das ganze  drum herum. Alles ging schnell und so behutsam wie nur möglich, aber es ist auch nicht schön.

Sie tat mir so leid. Pures Gefühlschaos. Ich blieb aber gefasst, auch um meiner Frau halt zu geben.

Aber jetzt wo ich am PC sitze, merke ich wie fertig mich der Tag gemacht hat.

Unsere kleine hingegen scheint es am besten weg gesteckt zu haben.
Sie hat dann nach der OP erst mal in der Kantine der Uni Klinik ihren Mittagsschlaf gehalten, währen Ihre Eltern versuchten das ganze zu verdauen und runter zu kommen.

Oder anders gesagt, sie schlief als wäre nie was gewesen und wir saßen immer noch Zittern daneben 😉

Sie wurde dann irgendwann wach also ging es zur Chirurgischen Notfall Ambulanz.
Der Schlaf tat ihr gut und alles war vergessen, sie bekam Hunger als wäre nie was gewesen.
Immer ein gutes Zeichen 😉

Da wir nicht wussten wie lange wir noch warten müssen und ich keine Lust hatte ihr was süßes aus dem Automaten zu holen, organisierte ich ihr schnell was Essbares aus der Kantine.

Sie hatte großen Hunger, weil auch sie seit dem Vormittag nichts mehr gegessen hatte.
Auf ihren Mund zeigte sie immer wieder mal und merkte dass da  vorne was fehlt.
Aber unbeeindruckt dessen genoss sie den Reis mit irgendeiner Soße, währen Mama und Papa immer noch geschockt waren 😉

In der Ambulanz konnte man nichts feststellen, keinen Bruch und auch keine Gehirnerschütterung.
48 Stunden müssen wir jetzt intensiver darauf achten, dann ist das schlimmste überstanden.

Der Zahnarzt meinte auch, das dies „nur“ die Zähne sind. Er sieht hier in der Zahnambulanz täglich so schlimme Unfälle mit Kindern. Es ist hart  und schlimm, aber unsere Tochter hatte viel Glück im Unglück.

Ich machte dann gleich einen Termin – auf anraten der Klinik – bei einem Kinderzahnarzt.
Dieser muss sich das mal anschauen. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit einen Platzhalter anzufertigen.
Damit der Kiefer sich nicht verformt, sie besser sprechen und auch evtl. damit Essen kann.
Aber das sehen wir dann, wenn es soweit ist.

Nun muss die Zahnfee heute tief in die Tasche greifen, die ersten zwei Zähne sind raus ……

Während ich diese Zeilen schreibe schläft unsere Tochter tief und fest. Sie hatte auch den ganzen Abend keine Schmerzen mehr. Obwohl sie keinerlei Medikamente bekam. Auch der Rest des Abends ist verlaufen als wäre nie was gewesen.

Mein Tapferes kleinem Mädchen, bin echt stolz auf sie.