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Geburtsvorbereitungskurs für den Mann – mit dem Mann

Last updated on Januar 27, 2016

Ich als „moderner“ Mann renne im Moment zu jeden „Termin“ mit.
Und so bin ich nun auch brav bei einem 6-wöchigen Geburtsvorbereitungskurs dabei.

2 Abende habe ich dort verbracht. Ich hatte viel zu lachen und viel zu weinen.

Fangen wir mit dem Lustigen an. Nach einer Kennenlernrunde wurden die Männer und Frauen kurz getrennt. 10 Minuten „Teambesprechnung“. Wie wir Männer uns den Kurs so vorstellen und was wir uns von dem Kurs versprechen.

In dieser Runde der Anonymen werdenden Männern kristallisierte sich eine ganz arme Socke raus. Er erzählte, dass seine Frau 4 Monate am Stück gekotzt hat. 7 Kilo verloren und zwischenzeitlich an den Tropf musste. Das ging so weit, das ihre Hormone komplett verrückt spielten. Selbst bei Kochsendungen heulte sie wie ein Wasserfall, wenn einer verloren hat.
Der arme Kerl war echt gebeutelt. Man hörte sein Leid schon an der Stimmlage, als er davon erzählte.
Da kann ich nur auf Holz klopfen und sagen das ich mit meiner Frau echt verdammt Glück hatte. Vielleicht ist dass auch der Grund warum bei mir das Papa werden noch nicht so ganz angekommen ist. Weil für mich im Moment fast alles normal ist, wie immer. Eben nur diese komischen Termine. Und genau dahin geht es jetzt zurück.

 

Diese Woche wurde uns die Geburt erklärt. Wie die Bowlingkugel von Kopf durch einen Gartenschlauch rausgepresst wird. Und dann ging es los. Plazenta, Käseschmiere, Mutterkuchen Untersuchung, Blut, Fruchtwasser, Schmerzen, Schreie, PDA, Nabelschnur, Konsistenzen diverser Teile, geöfneter Muttermund etc…..

Versteht mich nicht falsch, aber ich kann mir so was nicht nur einfach anhören. Ich habe eine blühende Fantasie. Tolles Kopfkino. Und als die Hebamme schön erklärt wie der Mutterkuchen sich löst und er dann da raus kommt und wie er untersucht wird, da hätte ich am liebsten meinen Hagebuttentee auf die Yogamattte gebrochen…..

Ich bleibe derzeit zwar dabei, dass ich mit in den Kreißsaal gehe, aber ich werde den Rat der Hebamme folgen. Wenn ich feststelle, dass es nichts für mich ist, dann warte ich draußen. Keinem ist geholfen, wenn man sich auch noch um mich kümmern muss.
Dazu hat mir auch mein Trauzeuge geraten. Er meinte, das es zwar ein tolles Wunder, aber ich werde dann meine Frau laaannngggeee Zeit mit anderen Augen anschauen, nach dem ganzen „Horrorfilm“. Oder Augen zu.

Das befürchte ich auch 🙁

Dann waren, da noch die überpaare. Für solche „bekinderten“ Menschen muss ich mir noch ein eigenes Wort hier im Blog einfallen lassen.
Ein Paar entbindet sein Kind am Arsch der Welt. Weil dort die Mutterkind Bindung so groß geschrieben wird. Und weil das alles da viel toller ist als in Köln. Neben mir gab es nur einen Mann, der es so sah wie ich. Hauptsache gesund raus. Ende.

Der Rest ist größtenteils hochgeypter Quatsch. Natürlich ist es schön das Baby bei Geburt selber aufzunehmen und dann zu halten, damit eine Bindung entsteht. Natürlich mag es besser sein, wenn man das Kind nicht gleich wiegt und sauber macht. Aber dafür eine Stunde Fahrt in Kauf nehmen? Da so ein tram tram drum machen?
Sich extra ein Krankenhaus aussuchen, wo Mutter und Vater die nächsten 3 tage die Einzigen sind, die an das Baby dürfen?
Das ist mir einfach zu hoch.

 

Verstehe ich als Mann nicht. Werde ich auch nicht. Aber ich akzeptiere es und mache, mit was meine Frau wünscht. Aber meine offene Meinung bleibt.
Ich kenne Menschen, die auf dem Küchenboden geboren wurden. Babys, die am nächsten Tag durch 30 Familien Mitgliedern gereicht wurden. Wo es Komplikationen gab und eben nicht sofort das Kind an die Brust kam. Trotzdem ist die Bindung da. Trotzdem sind die Babys intakt und haben auch ihre Familie lieb. Mann muss nicht alles immer so perfekt machen.

Keine Ahnung, ob wir zwei wirklich die einzigen Männer waren die so dachten oder ob die anderen nur Angst vor ihren Hormongesteuerten Frauen hatten, das weiß ich noch nicht. Ich sehe das eh manchmal etwas krasser 😉

Ein Kursabend wird auf Wunsch der Frauen ohne Männer stattfinden. Dann werden wir aber trotzdem kommen und wieder eine Männerrunde machen. Da werde ich das ganz mal offen ansprechen. Ob wir die einzigen sind – die so Pragmatisch Denken – denen der ganze Baby Hype manchmal zuviel wird. Wir bekommen zwar ein Baby, aber wir gründen auch eine Familie. Und da gibt es auch noch mich und meine Frau.

Aber schweife wieder zu sehr ab. Schlecht ist der Schwangerschaftsvorbereitungskurs nicht. Auch wir Männer lernen da noch einiges und das ist auch gut so. Was im Ernstfall passiert. Wie wir zu reagieren haben, was wir zu machen haben und was nicht. Wie mit uns umgegangen wird. Ect.

Auch wenn ich das Ganze etwas sehr ironisch beschrieben habe, es ist für den Mann auf jeden Fall zu empfehlen.

Published inPrivates

3 Comments

  1. MaxFin MaxFin

    Ich sag nur „Müttermafia“…

    Bei meinen Kindern im Kindergarten ist der Großteil zum Glück normal.

    Allerdings gibt es bei uns auch Exemplare, bei denen ich mich zum Lachen umdrehen muss.

    Fängt damit an, dass ein Kind den Klebstoff nicht halten darf, weil es sich dreckig machen könnte, geht über „mein Kind darf das Wasser nicht trinken, da sind nicht genug Mineralien drin“, bis zu den Helikoptereltern, die ihrem Kind jeden Kindergeburtstag vermiesen.

    Meine Tochter ist letztens vor dem Kindergarten mit großer Freude in die Matschpfütze gehüpft. Zwei Meter weiter stand das Kind einer solchen Mutter. Das gab ein Theater. Das Kind hat einen Wasserspritzer ab bekommen. Im Kindergarten! Schrecklich! Und ich böse Mutter lese meiner Tochter nicht die Leviten. 😉

    Manchmal habe ich das Gefühl, die Erwachsenen haben vergessen, was „Kind sein“ bedeutet…

    • Müttermafia… Sehr geil 😉

  2. Ach, so lange die nicht so missionierend sind, lass sie doch. Kann ja jeder machen, wie er oder sie möchte… Ich verstehe komplett, dass das irritierend ist, aber am Ende werdet ihr eh euren eigenen Weg gehen. Am entspanntesten ist es, sich nicht über die anderen aufzuregen, sondern einfach bei sich zu sein. Denn eines ist sicher: nach der Geburt wird das noch viel schlimmer mit den anderen Eltern.

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