14 Mai 2016

Ein Monat „moderner“ Vater

Ja, die Zeit vergeht wie im Flug.
Nun ist unsere kleine schon ein Monat alt.

Wobei die erste Woche zuhause sich für mich wie ein Monat angefühlt hat.

Mit viel Euphorie schreibe ich hier gerne, wie ich mich als “moderner” Vater fühle und füge.

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Aber ich muss auch mal ehrlich sein und die andere Seite beschreiben.
Ich muss mich mal auskotzen.

Ich spreche von meiner Sichtweise.
Der eines Mannes, der sich 38 Jahre dafür Zeit gelassen hat Vater zu werde.
Der keine überschwänglichen Frauenhormone besitz.
Der sein Leben bis heute so geliebt hat, wie es war und es ihm an nichts fehlte.

Mittlerweile kann ich Väter verstehen die lieber in der Kneipe versacken oder bei freunden bleiben.

Es ist anstrengend. Ich habe immer gehört:

“Dein Leben mit Baby wird sich rapide ändern. Es wird nichts mehr so sein wie früher. “

Ja, aber das sind nur 10% der Wahrheit. Es ist viel viel schlimmer.

Eines vorweg, ich bin ein stolzer Vater.

Nicht nur wegen unserer Tochter, sondern das ich mich im Leben weiter entwickelt habe.
Meiner Frau und unserer “3 Personen Familie” zeigen kann – das ich für uns da bin.
Das ich nicht drum herum lebe. Mich vor der Verantwortung drücke.

Viele Frauen meiner Freunde sehen das als so Selbstverständlich, das wir Männer das müssen.
Wir sollten – ja – aber für uns ist das auch sehr schwer.

Auch für uns verändert sich das Leben und auch uns sollte man zwischendrin mal loben.
Wir haben nicht die Hormone und 9 Monate Bindung wie ihr!

Ich wünschte, ich wäre so bekindert, so ein “über Papa” dem die gleichen Hormone zu Kopf steigen wie den Frauen.
Die sind soooooo glücklich, das sie alles vergessen und selbst wenn sie 5 Stunden am Stück schreien immer noch alles rosig ist.

Aber für uns, liebe Frauen, ist eben nicht alles nur rosig.

Es ist schwierig. Ich bin gerne Vater. Und wenn die kleine ewig schreit, versuche ich dennoch ruhig zu bleiben und sie nicht gleich abzugeben.
Das gelingt mir nicht immer, wird aber von mal zu mal besser.

Es ist schwierig. Vor allem für mich. Ich bin kein Mensch – da habe ich auch nie ein großes Geheimnis drum gemacht – der bei Babys aufblüht.
Das tue ich bei Hundewelpen und Katzenbabys. Aber nicht bei Babys. Keine Ahnung warum, ist einfach so.

Was mir derzeit daher am meisten fehlt ist das Feedback meiner Tochter. Das lachen, das reagieren, das mich wahrnehmen.
Das Menschlich sein.

Das dauert noch Monate – das weiß ich – aber es ist schwierig.
Vor allem wenn sie tage hat, wo sie nur schreit und einfach nicht zu beruhigen ist.

Meine Frau hat es da “einfacher”. Sie hat Ihre Hormone. Sie kommt damit besser klar, hat eine ganz andere Bindung.
Ich meine nicht damit, das für Frauen dies keine Arbeit ist. Im Gegenteil.
Ich ziehe meinen Hut vor meine Frau. Sie muss zum Stillen in der Nacht 3~4 mal raus und bekommt derzeit kaum geregelten Schlaf hin.
Geschweige von einem Stück geregeltem Leben.

Aber meine Frau empfindet vieles anders – wenn die kleine Schreit – als ich. Mir platzt irgendwann der kragen und ich würde am liebsten zurück brüllen.
Meine Frau ist da immer noch tiefenentspannt und hat Mitleid mit der kleinen. Ist nicht überfordert mit der Situation wie ich.

Und auch darum bin ich froh eine Frau erobert zu haben, wie die meine.
Die damit umgehen kann. Die versteht, das ich nicht so damit umgehen kann wie sie.

Sie lässt mich machen und wenn ich nicht mehr kann, dann lässt sie mich auch gehen.
Sie brüllt mich nicht an, setzt mich nicht unter Druck, wie ich es bei freunden erlebt habe.
Sie hat Verständnis, das ich manchmal einfach überfordert bin, anstatt mir vorzuwerfen das ich das jetzt machen muss.

Wenn ich die kleine einfach nicht beruhigt bekomme, dann kann ich sie auch mal bei ihr abgeben und verschwinde für ne Stunde am PC um wieder runter zu kommen.

Was nicht bedeutet, das ich mich um meine Pflichten als Vater drücke oder ihr alles aufdrücke.
Im Gegenteil. Meinen ersten Vater Tochter Tag habe ich genossen und die freie Zeit meiner Frau gegönnt.

Wenn ich zuhause bin, dann beschäftige ich mich gerne mit ihr. Wickel sie und sorge dafür das meine Frau auch Ihre Zeit zuhause hat.
Gehe mit ihr raus spazieren damit sie schlafen kann.

Aber – und das mussten wir beide lernen – dieses Märchen von “in den ersten 3 Monaten schläft und isst sie nur” ist totaler Quatsch.
Und so nimmt sie viel unserer privaten Zeit in Anspruch.

Liebe Frauen, wir Männer sind Männer – wie ihr Frauen auch Frauen seit.
Ich kann zwar nur für mich schreiben, aber ich glaube damit nicht alleine zu sein.
Ihr macht einen tollen Job. Aber euer Mann in der Regel auch. Und dafür dürft ihr Ihn auch mal loben!
Danken das er bei euch ist. Es läuft nicht immer alles rund wir sind auch nicht immer so wie ihr euch das jetzt vorstellt.
Aber wir werden damit auch überrumpelt und gehen damit heute besser um als es unsere Väter getan haben.

Dafür das mein Vater vor meiner Geburt abgehauen ist und ich Ihn nicht kenne, denke ich das ich ein guter Vater bis jetzt bin.
Aber es ist eben Sau anstrengend. Es kostet eine Menge nerven und manchmal ist es auch einfach Zuviel.

Aber ich wachse mit der Aufgabe und denke das ich mich als Vater ganz gut machen werde.
Auf die Zeit – die kommt wenn meine Tochter krabbelt und brabbelt – freue ich mich am meisten.


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Verfasst Mai 14, 2016 von Heiko in category "Privates

8 COMMENTS :

  1. By Daniel on

    Danke für deine ehrlichen Worte. Ich habe einen knapp 7 Monate alten Sohn. Und mir geht es oft genauso. Man fühlt sich oft einfach überfordert. Ich bin meiner Frau auch sehr dankbar, dass sie das so gut hinbekommt. Mit der Zeit wird es auf jedenfall besser. Genießt die Zeit gut, die kleinen werden leider viel zu schnell groß. Auch seit dem ich Vater bin rennt die Zeit noch viel schneller. Das ist echt wahnsinn.

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  2. By MaxFin on

    Deine Worte sind ehrlich und viele fühlen sich so wie Du, aber nicht nur die Männer…

    Es wird viel geflunkert, wenn es um Themen mit Babys geht. Gefühlt schlafen alle anderen Babys durch – nur das eigene nicht… Dabei ist man dann einfach nur ehrlich zu sich.
    Viele empfinden sich als Versager, wenn das Kind nicht wie aus dem Lehrbuch oder nach den Erwartungen anderer funktioniert und erzählen den Aussenstehenden dann Märchen. Frag mal eure Hebamme, sie wird dir da auch einiges drüber erzählen können. Dabei ist das einfach nur blöd, jedes Lebewesen ist individuell.

    Du schreibst, dass deine Frau immer ruhig und gelassen bleibt und ihr das Geschrei nichts ausmacht.

    Bitte habe ein Auge auf sie. Denn auch wenn sie äußerlich souverän und cool wirkt, kann sie sich innerlich ganz anders fühlen, vielleicht ähnlich wie du.
    Frauen meinen als Mutter nach außen immer stark sein zu müssen und die Kontrolle zu zeigen. Hormone und Schlafmangel in Kombination sind grausam.
    Sicherlich haben Frauen andere Instinkte als Männer, aber oft meinen sie auch nur alles durchstehen zu müssen, keine Schwäche nach außen zu zeigen.
    Auch wenn der Partner sehr hilfsbereit und verständnisvoll ist, kann so etwas passieren, auch Wochen und Monate nach der Geburt noch und in den besten Ehen.

    Und wenn deine Tochter dich mal wieder anbrüllt, merkt dir für die Zukunft diesen Satz, er wird dich noch verfolgen :p :“es ist alles nur eine Phase, das geht bald vorbei“. Und dann kommt auch schon die nächste Phase 😉

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  3. By jongleurin on

    Was MaxFin sagt, unterschreibe ich voll und ganz. Ich war eine der Mütter, die es auch sehr schwierig gefunden haben in der Babyzeit – und gelobt wurde ich auch nicht 🙂

    Es gibt einfach geborene Baby-Eltern und solche, die es mit größeren Kindern schöner finden. Du und ich gehören zu den letzteren.

    Aber keine Angst: das mit dem Anlächeln geht schon so etwa in zwei Wochen los!

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  4. By Ralfi on

    Alles gut! Alles richtig gemacht! Es gibt keine Patentrezepte, dazu ist das Wesen Mensch viel zu verschieden. Macht es in der Erziehung so, wie IHR es für richtig haltet.

    Ich kann deine Aussagen vollkommen nachvollziehen. Bin ja auch erst „damals“ mit 37 Vater geworden. Im Juli wird meiner 15 und im Moment „durchleben“ wir die Pubertät. Volle Kanne!

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  5. By Martin on

    Dein Bericht, deine Gefühle zu veröffentlichen, bewerte ich mit der Schulnote: sehr gut. Alles wird nur noch selbstverständlich genommen. Eine Anmerkung zur späteren Zeit eurer Tochter: Wenn sie dich dann mit bemerkenswerten Augen anschaut (zwinkern), um ihren Willen durchzukriegen. Was ist dann schlimmer? Konsequent bleiben oder weich werden? Ganz ehrlich, so ein kleines Lebewesen wachsen zu sehen, ist das schönste Geschenk auf der Welt, welches es geben kann. Euch beiden wünsche ich immer das richtige gemeinsame Bauchgefühl und dieses in gemeinsamen Entscheidungen auch umzusetzen.

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    1. By Hiltrud on

      Erst einmal schließe ich mich Maxfin und jongleurin voll an.

      Und ja, es ist unglaublich und unvorstellbar anstrengend. Für Vater UND Mutter. Auch und grad für die Mutter, die zwar funktioniert, weil die Hormone wirken und das Baby eben versorgt werden muss/will, die aber auch ihr ganzes altes Leben samt Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit ins Nichts verloren hat. Man weiß es vorher und dann ist es alles noch viel schlimmer.

      Was mir geholfen hätte, wären regelmäßige Auszeiten für mich und – ganz wichtig – explizite/s Lob und Anerkennung gewesen. Und immer wieder kleine Hilfen im Alltag. Ich vermute aber, dass Neval das alles schon mehr oder weniger bekommt. Selbst dann kann es einer Mutter aber zu viel werden, deshalb achte auf sie, auf Euch beide.

      Was auch hilft… lasst Euch voll auf Euer Elternsein ein, auf alles auch auf alles Negative, auch auf die Fremdbestimmtheit, die kurzen Nächte, das Schreien und alles andere auch. Das ist schwer, aber mir hat es geholfen. Ich habe leider Jahre gebraucht, das zu erkennen und anzunehmen. Eigentlich bin ich heute noch dabei. Und meine drei Kinder sind alle schon Pubertiere.

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      1. By jongleurin on

        Ein schöner Kommentar, vor allem mit dem Einlassen… ich denke immer, beim zweiten Kind würde ich das so machen, mich voll und ganz hineinstürzen, weil ich jetzt ja (nach 3 Jahren!) weiß, dass diese sehr körperliche Phase recht schnell vorbei geht, und plötzlich hat man da einen kleinen willensstarken vollständigen Menschen, mit dem man ganz andere Kämpfe ausficht 🙂

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  6. By Andre on

    Lieber Heiko,
    meineer Meinung machst Du allen Zweifeln zum Trotze alles richtig.
    Die Fragen, Wirrungen und Irrungen sin d alle normal und daraufhin basiert, das DU und IHR den für euch reichtigenWeg findet werdet!
    Irrrer
    Andre

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