Heute wird was länger und privater. Aber das Thema halte ich für mich hier fest.  
Und vielleicht auch, um andere damit zu erreichen, die es genau so betrifft.

Der Überforderung als moderner aktiver Vater und Elternteil. 
Und wie man daraus eine tolle Vaterschaft machen kann, bzw. wie ich meinen Weg gefunden habe. 

Heute ein liebevoller, aktiver und moderner Vater zu sein ist nicht einfach.
Man(n) steht vor modernen Problemen und alten Praktiken und vielen Vorurteilen. 
Etwas, was mich viel Kraft und Gesundheit gekostet hat.

Ich wollte nie wirklich Vater sein, Kinder bekommen. 
Aber ich nahm dieses Abenteuer auf mich auf und wollte mit aller Macht ein guter Papa zu sein. 
So sehr ich mich aber jeden Tag bemühte, je mehr scheiterte ich. 

Ich bin noch „erzogen“ worden, wenn auch sehr locker.
Bei meiner Mutter hatte ich viele Freiheiten, bin ohne Vater groß geworden.

Gehorsam war aber wichtig, sonst gab es Bestrafung.
Keine Schläge, soweit war meine Mutter auch schon, aber man kannte einfach keine andere Erziehung.

„Ein paar hinter die Ohren hat noch niemanden geschadet“ ist ein Satz, mit dem ich groß geworden bin. 
Regeln, Gehorsam, Belohnung und Bestrafung/Konsequenzen.  

Was anderes habe ich auch nie in meinem Umfeld gelernt und so habe ich es versucht an meine Kinder weiterzugeben. 
Allerdings ohne „Gewalt“. Das war für mich von Anfang an klar, selbst der „Klaps“ auf dem Po war tabu. 
Und so manifestierte sich bei mir auch die Meinung, eine Antiautoritäre Erziehung bring Arschlochkinder hervor, die nicht hören und nur Mist machen.
Ich lachte über die Stille Treppe. Was ich teils immer noch mache 😉

Aber irgendwie wollten da meine Kinder nicht mitmachen.
Sie „hörten“ nicht. Machten, was sie „wollten“. Von kleinen bis mittleren Mist. 
Jeden Tag ewige Diskussionen. Egal ob beim Zähneputzen, Aufräumen, gehorchen, Anziehen, umziehen, etc. 

Alles war ein riesiger Aufwand. Kostete viel Diskussionen und Nerven. 
Aus bitten wurden Befehle. Auf nicht gehörte Aufforderungen wurden Bestrafungen. 

Wurde nicht aufgeräumt, gab es keine Folge Peppa Wutz. 
Kein Zähneputzen, keine Geschichte. 

Es entwickelte sich dadurch über die letzten zwei Jahre bei mir eine völlige Überforderung.
Das Vater und Ehemann „da sein“ überforderte mich. Ich stand kurz davor das Handtuch zu schmeißen.
Jeder Streit, jeder Ausflug, einfach alles mit den Kindern überforderte mich.

Ich sagte links, sie gingen rechts. Alles brachte das Fass zum Überlaufen. 

Auch unsere Ehe litt sehr unter der Situation.
Mit den Kindern konnte ich mich nur noch brüllend unterhalten.

Ich arbeitete lieber 14 Stunden am Stück, als nach Hause zu kommen.
Aber ich wollte meine Frau nicht alleine mit allem lassen und war dennoch jeden Tag zu Hause.

Eine Spirale, die mich auch viel Gesundheit gekostet hat.
Ich bekam Bluthochdruck, musste Medikamente nehmen und erlitt nervliche Zusammenbrüche.

Ich war in einer Spirale aus der ich nicht mehr rauskam.
Auf Wochenenden, Urlaub und Feierabende konnte ich mich nicht mehr freuen.
Ich wollte nicht zu Hause sein, wollte aber auch nicht meine Frau damit alleine lassen.

Wir haben keine Paten oder Großeltern, wo wir sie regelmäßig parken können.
Da muss man als Vater seinen Mann stehen! Aber je ich mich einbrachte, je mehr sorgte es für eine schlechte Stimmung.
Wenn ich mit Freunden, Familie oder bekannten mich unterhielt, hörte ich oft nur: 

Jetzt stell dich nicht so an. Da muss man nun eben durch! So wie die Generationen vor dir auch!

Dass dieser Hinweis aber in keinster Weise das Problem löst, musste ich lernen.
Sich einzugestehen und auch da zuzustehen, dass eben nicht alles rosig ist – ist ein Lernprozess.

Auch, dass die ganzen anderen Familien auf die geschaut habe, die diese Probleme nicht haben, sie wohl doch haben. 
Sie nur anders verarbeiten. Die Väter ziehen sich zurück. Hinter Freunden, Sport, Alkohol, Handys, etc. 
Die Kinder werden viel vor dem Tablet oder TV geparkt oder man redet sich die Heile-Welt schön, überlässt vieles der Partnerin / dem Partner. 

Und heute weiß ich, dass es viele betrifft, die aber nicht gerne offen darüber sprechen. 
Sich zurück ziehen und es ihrem Partner überlassen. 

Andere Väter vor uns haben es ja auch geschafft!

Ja, Väter zu meiner Jugendzeit haben auch in der Kneipe den Abend verbracht.
Haben betrunken die Frau durch die Wohnung geprügelt und ihre Kinder oft nur am Wochenende gesehen. 

Aber wir Väter haben uns tatsächlich weiterentwickelt und mir ist die Bindung zu meinen Kindern wichtig.
Ich rede von echter Bindung. Eine, in der die Kinder sich auch von mir trösten lassen wollen. 
In der sie auch vertrauen zu mir haben. Mich gleichauf mit der Mama sehen. Und nicht nur als „Papa“. 
Eine, in der ich auch mehrere Tage ohne die Mama auskomme.

In der ich nicht nur anwesend bin, sondern aktiv dabei!

Zwar war ich auch mit meinen Kindern viel unterwegs, bin sogar alleine mit Ihnen in den Urlaub gefahren, aber es war einfach die Hölle. 

Oft „hörten“ sie nicht auf mich, machten „Blödsinn“ und „lernten einfach nicht dazu“. 
Egal was ich versuchte, am Ende und die Abende endeten nur noch mit viel schimpfen. 

Das war nicht schön, weder für mich noch für die Kinder. Aber ich wusste nicht warum. 

Letztes Jahr bin ich in einem Elterncafé in Ehrenfeld von einem Vater namens Jürgen angesprochen worden.
Es gäbe eine Vätergruppe in Köln. Väter die gemeinsam etwas mit Ihren Kindern unternehmen und sich austauschen.
Ob ich nicht auch daran Interesse hätte.

Er gab mir einen Flyer mit. Ich hatte mich in den Newsletter eingetragen und hier und da mal ein Väter-Café besucht.
Aber der Kontakt riss durch Corona ab, die Cafés wurden geschlossen.

Auch traute ich mich vor Ort nie offen über die Probleme zu sprechen. Über die Überforderung.
Ich dachte, ich wäre alleine damit, andere hätten dieses Problem nicht – schämte mich auch ein wenig.
Wusste nicht wie man dann mit mir umgeht. 

In der WhatsApp Gruppe war ich nicht, weil ich eine komische Sichtweise dazu hatte.
Ich konnte mich nicht mit Öko Papas und Helikoptervätern identifizieren.
Die hätten auch für meine Sicht kein Verständnis gehabt, in ihrer heilen Papa-Welt – so dachte ich zumindest.

Es war dieses Jahres im September, da stehe ich abends vor dem Gemeinschaftsraum unter meiner Wohnung und sehe den Vater Jürgen wieder, welcher mich seinerzeit im Café angesprochen hatte. Wie sich ausstellte, der Leiter der Kölner Väter e.V.

Ich sprach ihn an, wir kamen ins Gespräch und tauschten unsere Rufnummern aus.

Ich wurde in die Väter WhatsApp Gruppe aufgenommen.

An den Gesprächen nahm ich nicht teil, aber ich klinkte mich in die wöchentlich stattfindenden Online treffen ein.
Ein Väter Online Cafe, jeden Donnerstag Abend. 
Da bekam ich das erste mal mit, nicht alleine mit meiner Situation zu sein.

Dort waren auch andere Väter, mit gleichen Problemen. Und man hatte nicht nur Verständnis.
Man unterhielt sich über die Ursachen und man gab sich untereinander Tipps.
Es wurde respektvoll miteinander umgegangen. 

Der Initiator der Onlinetreffen (Jürgen) brachte auch immer einen Experten für ein Thema mit.
Egal ob Bindung zum Kind, Paartherapeut oder auch einfach nur einen Pädagogen.

Aber es waren keine Onlinevorträge, sondern jeder kam zu Wort und es wurde respektvoll miteinander gesprochen.
Tipps statt Vorwürfe.

Wie eine Art Treffen der „Anonymen Väter“ 🙂
Jede Woche. 

Seitdem habe ich in meiner eigenen Entwicklung als Vater, einen solchen positiven Sprung gemacht.
In den letzten 3~4 Monaten habe ich so viel dazu gelernt. 
Aus Hass und Überforderung gegenüber meinen Kindern und der Familie wurden Verständnis und Freude.
Dadurch nahm ich auch an den hier verbloggten Online Basteln und Backkursen statt.

Ich hätte mit der Hilfe, die ich dort angeboten und angenommen habe, die Quarantänezeit nicht überstanden.
Weder als Vater noch in der Ehe. 

Hätte ich diese Hilfe doch viel früher angenommen, so wäre vieles erspart geblieben. 
Und so hatten wir tatsächlich eine sehr angenehme Quarantäne.
12 Tage in der Wohnung eingesperrt und so gut wie keine Reiberei. 
Im Gegenteil, die Bindung zu uns ist noch mal immens gewachsen. 

Es war anstrengend und das muss ich noch mal haben, aber vor meiner Entwicklung wäre das nicht gut gegangen. 

Heute habe ich viel mehr Verständnis und verstehe, warum vieles so ist. 

Ein 2.5 Jahre altes Kind räumt nicht ungern auf. Es weiß gar nicht was „aufräumen“ ist. 
Es sieht darin keinen Sinn und Grund. Es will lieber Spielen.
Warum wegräumen, wenn doch später sowieso weiter gespielt wird. 
Da hilft es dem Kind verständlich zu machen, das wir dies jetzt wieder Reinräumen, weil der Staubsauger das sonst einsaugt. 
Oder Mama und Papa sich wehtun, wenn sie darauf treten. Wer ist schneller mit aufräumen, ich oder du? 
Und Zack ist aufgeräumt. Mit viel Freunde und Spaß. Ohne Stress. 

Viel Reden, Verständnis haben und verständlich machen. Erklären, warum jetzt etwas so ein muss. 
Nicht schimpfen, nicht druck machen. Erklären, Gefühle verbalisieren. 
Dinge akzeptieren. Sie machen es nicht mit Absicht, sie wissen es nur nicht anders. 
Nicht bestrafen, erklären und Konsequenzen aufzeigen. 

Mein Sohnemann wollte nicht die Zähne putzen. Nicht drohen, nicht bestrafen. Kein Druck aufbauen. 
Ich habe ihm einen Zahn von mir gezeigt und erklärt, dass der kaputtgegangen ist, weil Papa nicht richtig geputzt hat. 
Und schon putzt er mit uns die Zähne.

Egal ob abendliches umziehen oder tägliches Spiel. 
Vieles geht so viel einfach und schöner. 

Ich musste nur meine Sichtweise ändern.
Mich selber reflektieren und erkennen es an manchen stellen einfach falsch gemacht zu haben.
Über mein Ego und meinen Schatten springen. 
Hilfe und Ratschläge annehmen, egal wie meine Sichtweise dazu ist. 

Das schönste daraus durfte ich die Tage erleben.

Meine Tochter schrie meinen Sohn oft an.
Anstatt mit ihm beim Spielen zu reden, schrie sie ihn bei der kleinsten Unstimmigkeit an.
Und das wurde zu einem echten Problem. Sie haben oft mehr miteinander geschrien, anstatt miteinander zu spielen. 

Dass es aber nur ein Spiegelbild meiner selbst war, das war mir nie bewusst.
Jetzt, wo ich ruhig und verständnisvoll mit meinen Kindern rede und wir viel besser miteinander klarkommen, da klappt es auch bei den beiden. 

Letzte Woche beobachtete ich eine solche Situation.
Anstatt aus dem Nichts ihn sofort anzuschreien, sprach sie ganz ruhig mit ihm.
Erklärte ihm warum er das jetzt nicht machen sollte und bat ihn darum damit aufzuhören. 

Da wurde mir meine Spiegelbildfunktion noch mal bewusst und es war einfach toll mit anzusehen, wie weit diese Veränderung Früchte getragen hat. 

Lieber Jürgen, wenn du diese Zeilen liest, dann möchte ich mich hierfür bei dir bedanken. 
Für deinen unermüdlichen Einsatz, jeden Tag aufs neue Väter anzusprechen und in die Gruppe zu bringen. 
Dafür, dass du dir jede Woche die Zeit nimmst und alle Väter zusammen trommelst für das Online Väter Treffen.
Du nicht Müde wirst, jede Woche auch noch Experten ran holst.
Du immer ein offenes Ohr für betroffene Väter hast, Hilfe anbietest oder organisierst. 
Du tolle Veranstaltungen organisierst und selbst zur Pandemie und Lockdownzeit nicht aufhörst.
Stets Leben in die WhatsApp Gruppe bringst. 

Ohne deinen Eifer, die tolle Gruppe und deine Hilfe wäre ich als Vater sang- und klanglos untergegangen. 
Danke 😉

Ich bin noch lange nicht „fertig“ und muss noch viel lernen. Es kommen auch mit steigendem Alter neue „Probleme“ auf mich zu.
Aber ich bin froh diese Hilfe zu haben und schaue nicht mehr mit so viel Sorge in die Zukunft, da es diese tolle Unterstützung gibt.

Ich bin mittlerweile richtig stolz, ein solch toller Papa zu sein 🙂

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